Die Ernsthaftigkeit leidet

Die Ernsthaftigkeit leidet

Erst BBL, jetzt ULG – die Landschaft der Parteien und politischen Gruppierungen in Langenhagen wird vielfältiger. Ob mit der Zahl der Abkürzungen im Rat der Stadt Langenhagen auch die Qualität der Aussagen steigt, sei einmal dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass der Unabhängige Wilhelm Behrens mit hehren Zielen zur Wahl angetreten ist, eine „große politische Kraft“ in Langenhagen etablieren wollte. Das ist gründlich danebengegangen – Behrens steht auf einmal allein auf weiter Flur, muss aus der Not eine Tugend machen und mit dem anderen Einzelkämpfer Bernd Speich zu einem „Zweckbündnis“ zusammengehen. „Persönliche Verletzungen“ sollen den Ausschlag gegeben haben, und dabei war es doch gerade das Bürgerbündnis, das die Sachpolitik so in der Vordergrund gestellt hat; persönliche Eitelkeiten sollten keine Rolle spielen. Wie muss so ein Verhalten bei den Wählerinnen und Wählern ankommen, die sich mit den – zugegebenermaßen oft recht globalen – Wahlaussagen des BBL identifiziert haben. Und wie kommt der Opportunismus eines Bernd Speich, der sich jetzt vielleicht über ein eigenes Besprechungszimmer für die Gruppe im Rathaus freuen darf – bei den liberalen Anhängern an? Kleine Erinnerung: Speich saß auch mit dem heutigen BBL-Vorsitzenden Knabe schon einmal in einer Gruppe im Rat der Stadt Langenhagen zusammen. Pragmatismus in allen Ehren, aber es wird schwierig sein, den Wählerinnen und Wählern dieses Verhalten zu verkaufen und sein eigenes Profil in der ULG zu schärfen. Auch ob das Bündnis unabhängiger Bürger Langenhagens ohne Behrens zurechtkommt, wird die zukünftige Arbeit im Rat zeigen. Der hatte sich schließlich vollmundig als „Zugpferd“ der BBL bezeichnet. Eins ist auf jeden Fall klar – die politische Landschaft ist zwar bunter geworden; die Ernsthaftigkeit politischer Aussagen leidet aber unter solchen Ränkespielchen.
Oliver Krebs