Die Fabrik steht vor dem Aus

Die 23-jährige Jennifer Schönborn (vorne) zeigt Caren Marks (von links), Birgit Niendorf, Anja Sanders und Marco Brunotte ihre Arbeiten in der Holzwerkstatt.Foto: D. Thiele

Perspektivlosigkeit bei Mitarbeitern der Bildungswerkstatt

Langenhagen (dt). Die Zukunft der Fabrik Langenhagen sieht schwarz aus. Wie viele andere Non-Profit-Organisationen hat die Einrichtung, die seit 30 Jahren Menschen unterstützt, die nur schwer auf dem ersten Arbeitsmarkt einzugliedern sind, unter den Einsparungen des Bundes zu leiden. Immer weniger Bildungsgutscheine können von den Jobcentern vergeben werden, doch genau die sind notwendig, um entsprechende Menschen für den Arbeitsmarkt wieder fit machen zu können. Die Fabrik kann deshalb nur noch wenigen arbeitslosen Menschen Bildungsmaßnahmen anbieten und kämpft deshalb auch um die eigene Existenz. Hoffnungslosigkeit der Teilnehmer treffe auf Perspektivlosigkeit der Mitarbeiter. 25 Festangestellte waren es, jetzt sind es noch elf, die von Zukunftsängsten geplagt seien. „Sie werden ihr eigenes Klientel“, befürchtete SPD-Politiker Marco Brunotte im Gespräch mit Fabrik-Leiterin Birgit Niendorf. So spare man sich kaputt. Die Wirtschaft beklage einen Fachkräftemangel, aber anstatt Jugendliche für diesen Arbeitsmarkt fit zu machen, würden diese an den Rand der Gesellschaft rausgedrängt werden. „Das System hat bei den Jugendlichen versagt. Sie sind Produkte unsere Gesellschaft“, so Fabrik-Betriebsrätin Lina Lachmann. Wo die Fabrik im Dezember 2012 stehen würde, möchte Brunotte wissen. „Da bin ich mir nicht sicher, ob es uns dann noch gibt“, lautete die hoffnungslose Antwort von Birgit Niendorf. Schließlich schreibe man bereits schon im dritten Jahr rote Zahlen. Rasenmähermäßig sei durch die finanziellen Kürzungen des Bundes alles runtergemäht worden. „Man hat nicht nach Wirtschaftlichkeit geschaut sondern hat generell gekürzt“, kritisierte SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks. So mache man funktionierende Strukturen kaputt und ein Wiederaufbau sei – soweit überhaupt realisierbar – sehr teuer.
Da SPD sowie im Bund als auch im Land nicht die Mehrheit stellen, könne man zumindest bis zur nächsten Wahl keine Lösung anbieten, bedauerte Brunotte. SPD-Ratsfrau Anja Sanders versprach zwar ihre Hilfe bei der Suche nach Kinderbetreuung für Mütter, die wieder in den Beruf einsteigen wollen, dieses jedoch aufgrund ihrer familiären Situation momentan zeitlich nicht realisieren können, letztlich konnte Brunotte den Fabrik-Mitarbeitern jedoch nur einen Tipp geben: „Werden sie laut und nehmen sie die Mehrheit in die Pflicht!“