„Die Schüler sind die Kapitäne, ich die Lotsin“

Schüler und Eltern können sich auch im Home-Office jederzeit bei Silke Meyer melden.

IGS Langenhagen: AWO-Mitarbeiterin Silke Meyer begleitet auf dem Weg in den Berufseinstieg

Langenhagen. „Mein Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler an der IGS Langenhagen eine für sie passende Anschlussperspektive finden“, sagt Silke Meyer, Ausbildungslotsin der AWO Region Hannover. Dieses Ziel setzt Meyer mittlerweile seit 2015 an der Schule um - seitdem gibt es das zu gleichen Teilen von der Region Hannover und der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Programm Ausbildungslotsen an der Schule. Mit Erfolg: Nahezu alle Schülerinnen und Schüler, die sich für eine Ausbildung entscheiden, finden einen Platz, berichtet Meyer. Die studierte Sozialarbeiterin betreut die Jahrgänge acht bis zehn und führt die jeweils 180 Kinder eines Jahrgangs in Richtung Berufseinstieg. „Ich bin aber keine Berufsberaterin“, betont sie. Die IGS wird zusätzlich von einer Berufsberaterin der Arbeitsagentur betreut, die die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Berufswahl berät - Meyer hilft ihnen dann dabei, ihren Berufswunsch umzusetzen. „Die Schülerinnen und Schüler sind die Kapitäne, auch wenn sie es sich noch nicht zutrauen, ich bin die Lotsin.“, sagt Meyer über ihre Rolle.
Die Ausbildungslotsin organisiert Infoveranstaltungen, sucht mit den Schülern und Schülerinnen der IGS gemeinsam mögliche Firmen raus, hilft beim Schreiben der Bewerbungen und bereitet sie auf die Vorstellungsgespräche vor. Zum ersten Mal kommen sie in der achten Klasse mit Meyer in Berührung. „Praxisorientiert und zunächst spielerisch erkunden wir die einzelnen Berufsfelder, bevor es dann auf die Suche nach dem ersten Praktikum geht“, berichtet Meyer. Die große Anzahl der Ausbildungsberufe sei für die Jugendlichen erst einmal eine Überforderung. „Es gibt mittlerweile mehr als 320 Ausbildungsberufe - davon allein zehn verschiedene Elektroniker-Ausbildungen.“
Langenhagen. Derzeit arbeitet Meyer von Zuhause aus - die Schülerinnen und Schüler und auch die Eltern können sich jederzeit bei ihr melden und mit ihr telefonieren oder per Videokonferenz sprechen. Fester Bestandteil ihrer Home-Office-Arbeit sind offene Online-Sprechstunden, in denen sie Fragen beantwortet, Termine vereinbart, die nächsten Schritte mit ihnen plant und beim Schreiben von Bewerbungen hilft. Außerdem schreibt sie die Schüler regelmäßig an und versorgt sie mit Ideen zur Selbsterkundung, Angeboten zur Berufsorientierung und Stellenanzeigen für Auszubildende gemäß ihren Wunschberufen. Die Eltern bekommen die Schreiben über die Elternvertreter weitergeleitet. Neben der eigenen Erreichbarkeit werden auch die Kontaktdaten der Berufsberaterin so weitergegeben.
Da sie viel Zeit mit den Schülern verbringt, merkt sie auch schnell, ob das jeweilige Ausbildungsziel aus eigenem Wunsch entstanden ist. „Manche wählen eine Ausbildung, um ihre Eltern oder Freunde nicht zu enttäuschen, was in der Regel nicht funktioniert“, sagt Meyer. So wollte ein Schüler unbedingt die Wirtschaftsschule besuchen und habe alles dafür getan, dabei jedoch unglücklich gewirkt. „Ich habe ihn dann nach seiner Motivation gefragt. Nach einem längeren Gespräch räumte er ein, dass sein Berufswunsch eigentlich Dachdecker ist“, erinnert sich Meyer, Mit ein wenig Bestärkung sei er dann in dem Beruf angekommen, den er wirklich wollte.
Zwei Praktika müssen die Schülerinnen und Schüler der IGS in der neunten Klasse absolvieren. „Sie sind ein wichtiger Schritt bei der Berufsorientierung, da hier praktische Erfahrungen gesammelt werden und man testen kann, ob ein Berufszweig gefällt oder nicht“, so Meyer. Steht der Berufswunsch fest, hilft sie beim Schreiben der Bewerbungen. „Es ist wichtig bei jeder Schülerin und jedem Schüler genau hinzusehen, ob die Voraussetzungen passen“, sagt Meyer. So habe ein Schüler Dachdecker werden wollen, obwohl seine Mathe-Noten schlecht waren. „Wir haben das ehrlich in das Anschreiben geschrieben und gleichzeitig die hohe Motivation betont.“ Mehrere Dachdeckerbetriebe belohnten die Ehrlichkeit und luden den Schüler für Probearbeiten ein. Am Ende habe seine Motivation die schlechten Mathenoten in den Hintergrund gerückt. „Er konnte sich seinen Ausbildungsplatz sogar aussuchen“, sagt Meyer stolz. Auch die Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche sei ein wichtiger Teil ihres Jobs. „Hier geht es natürlich um die inhaltliche Vorbereitung, aber auch darum, den Schülern die Nervosität und Angst zu nehmen – und manchmal auch um Stylingfragen.“
Die derzeitige Arbeit im Home Office habe ihre Grenzen. „Meine Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern basiert auf persönliche Bindung und Vertrauen - das lässt sich nicht gut per Videokonferenz herstellen, dafür braucht es persönliche Kontakte.“ Und auch sonst hat Corona für Einschränkungen ihrer Arbeit gesorgt. Normalerweise unternimmt Meyer mit den Schülern Ausflüge zu Jobmessen - diese Berufsorientierung müsse jetzt digital auf Internetplattformen passieren, die sie den Schülern vorstellt. Trotz der Einschränkungen mache ihr die Arbeit sehr viel Spaß. Auch die enge Zusammenarbeit mit den Lehrenden funktioniere sehr gut. „Ich bin in der Schule voll integriert.“
„Ausbildungslotsen“ ist ein Projekt der Region Hannover und der Bundesagentur für Arbeit. Bis zu diesem Jahr sind fünf Millionen Euro in das Projekt geflossen. Die AWO Region Hannover ist einer von mehreren Trägern - insgesamt sechs Ausbildungslotsen stellt die AWO an den folgenden Schulen: IGS Langenhagen, IGS Garbsen, IGS Kronsberg, KGS Ronnenberg, IGS Südstadt, Südstadtschule und Ricarda-Huch-Schule.