"Die Schule soll bauen, was sie braucht"

Sie wollen Bürgermeister werden oder bleiben: Afra Gamoori (von links), Mirko Heuer, Marion Hasenkamp und Andreas Eilers. (Foto: O. Krebs)

Zukunft der IGS in der Stadtmitte: Bürgermeisterkandidaten stellen sich

Langenhagen (ok). Von Angriffslust war wenig zu spüren, eher war Kuschelkurs angesagt: Die vier Bewerber um das Bürgermeisteramt der Stadt Langenhagen sind jetzt das erste Mal in einer Veranstaltung aufeinandergetroffen. In der IGS an der Konrad-Adenauer-Straße ging es um die Frage der Zukunft der Gesamtschule. Eines vorweg: Amtsinhaber Mirko Heuer (CDU) hob genauso wie seine Kontrahenten Afra Gamoori (SPD), Marion Hasenkamp (Die Partei) und Andreas Eilers die Bedeutung für die Stadt und das Bildungssystem in Langenhagen hervor. Und dem Quartett ist auch die Zukunftsfähigkeit mit modernen Räumen im geplanten Neubau wichtig, verbunden mit den dringend notwendigen Ausbau in Sachen Digitalisierung. Heuer räumte ein, dass hier in der Vergangenheit durchaus einiges liegen geblieben sei, es Kommunikationsprobleme zwischen Verwaltung und Schule gegeben haben. Mit dem neuen Chief Digital Officer (CDO) sei allerdings alles auf dem richtigen Weg. Mit Afra Gamoori ist er einer Meinung, dass jede Schule in Zukunft einen speziellen Begleiter aus der Verwaltung in Sachen IT brauche, zehn Stellen seien dafür bereits in den Haushalt eingestellt. Nicht konform geht Heuer allerdings mit Andreas Eilers, der fordert, dass die IGS die gleichen Ansprüche wie das Gymnasium für seinen Neubau an der Pferderennbahn stellen darf. Heuer: „Das pädagogische Konzept muss sich in den Räumen widerspiegeln. Das funktioniert nicht so wie beim Gymnasium.“ Bedürfnisse, die die Schule sicher selbst am besten beurteilen kann, und deshalb saß Schulleiter Timo Heiken als Experte mit auf dem Podium der Diskussionsrunde, die die drei IGS-Lehrer Kerstin Bücken, Claudius Netzel und Sven Schickerling souverän moderierten. Und Eilers machte dann auch deutlich, dass die Schule die Räume bauen soll, die sie braucht. Wie alle anderen ist er für Bildungs-und Chancengleichheit und lobt die Vielfalt des Zwei-Säulen-Modells in der Stadt. Ein Modell, mit dem Heiken nicht so glücklich ist: Ist die IGS doch ersetzende Schulform für Haupt- und Realschule, steht in Konkurrenz mit dem Gymnasium um leistungsstarke Schüler und natürlich auch mit der IGS Süd und seit Neuestem der Leibniz-IGS. Gleichwohl ist der Run auf die Gesamtschule im Stadtzentrum, die seit 50 Jahren existiert, ungebrochen. Zumal es an der Konrad-Adenauer-Straße ja die einzige Oberstufe unter den Gesamtschulen gibt. So wird es im Neubau, der im dritten Quartal 2022 mit dem Abriss und dem Umzug in die freigewordenen Container stattfinden soll, auf eine Siebenzügigkeit hinauslaufen. Auch Marion Hasenkamp sieht mit dem Angebot der IGS ein Alleinstellungsmerkmal und für Afra Gamoori ist es ganz wichtig, „vom Kind her zu denken.“ Andreas Eilers zielte immer wieder auf die Wahlfreiheit der Eltern ab, das Thema Ganztagsbetreuung sei nicht für jeden etwas. Und ein Knackpunkt waren auch die Finanzen, denn auch der Neubau der IGS Langenhagen soll etwa 98 Millionen Euro kosten. Während Mirko Heuer darauf verwies, dass das Geld bereits im Haushalt eingeplant, betonte Andreas Eilers die 350 Millionen Euro Schulden, die die Stadt ab 2024 in Sachen freiwillige Leistungen handlungsunfähig machen könnten. Ein Rathausan- und umbau kommt für ihn genauso wenig in Frage wie für Marion Hasenkamp. Um dem noch mehr entgegen zu steuern, will Afra Gamoori im Falle einer Amtsübernahme sogar ein eigenes Finanz- und Wirtschaftsdezernat schaffen. Marion Hasenkamp machte scherzhaft auf einen Schatz aufmerksam, der vielleicht noch auf dem Fuße des Silbersees schlummere. Einig sind sich aber wieder alle, dass das Vermeiden und der Abbau der Schulden niemals zu Lasten der Bildung gehen dürfe, die Verwaltung dafür alle Unterstützung zur Verfügung stellen müsse.
Und wer weiß, vielleicht gibt es ihn wirklich, den Schatz im Silbersee. Dann wäre Langenhagen auf einen Schlag alle finanziellen Sorgen los.