Die Speerspitze der Feuerwehr

Improvisation bei der Ausbildung nach langem Coronawinter

Langenhagen. Ganz allmählich geht der Trend bei der Feuerwehr Godshorn wieder in Richtung Normalität. In diesem längsten aller Winter ist jedoch viel liegengeblieben, an den so wichtigen regelmäßigen Ausbildungsdienst war nicht zu denken. Wie wichtige die Routine für den Einsatzfall ist, hatten wir im Herbst bereits thematisiert. Deswegen tut es gut, dass mit den sinkenden Inzidenzraten eine vorsichtige Lockerung der Einschränkungen möglich wird, ohne die Gesundheit der Kameradinnen und Kameraden und damit auch die Einsatzfähigkeit zu gefährden. Wie groß der Bedarf ist, zeigt die Resonanz: Zu den ersten Übungsabenden kamen jeweils deutlich mehr als 40 Feuerwehrleute. Alle wurden direkt vor Dienstbeginn getestet und mussten wie im Einsatz durchgängig eine FFP2-Maske tragen und wo irgendmöglich Abstand halten.
Eines der Themen, das im Wortsinne „auf der Strecke“ blieb, war der so genannte Leistungsnachweis für die Atemschutzgeräteträger (AGT). AGTs sind die Speerspitze der Feuerwehr, sie bringen ihre eigene Atemluft mit und können sich deshalb in Bereichen bewegen, die sonst nicht mehr zugänglich wären – nah am Feuer mitten im Rauch zum Beispiel. Dabei tragen sie etwa 20 Kilogramm an persönlicher Schutzausrüstung am Körper, dazu kommt das Equipment für den Einsatz oder sogar eine zu rettende Person.
Um zu überprüfen, ob sie diesen Belastungen auch körperlich gewachsen sind, müssen AGTs jährlich einen Leistungsnachweis mit bestimmten Tätigkeiten und einem Mindestenergieverbrauch absolvieren, dabei müssen sie mit der Luft aus nur einer Flasche auskommen. Diese Nachweise finden normalerweise auf den Atemschutzstrecken der Feuerwehrtechnischen Zentralen statt. Da der Betrieb dort aber erst jetzt wieder anlaufen kann, der Großteil der Godshorner Feuerwehrfrauen und -männer zu AGT ausgebildet ist und die Godshorner ja auch nicht die einzige Feuerwehr sind, wäre der Rückstand so schnell nicht aufzuholen gewesen.
Deswegen hatten sich die Godshorner Ausbilder etwas besonderes für die „Dosenatmer“ einfallen lassen: Kurzerhand wurde die Ruine des alten Schwimmbades zur Atemschutzstrecke umfunktioniert. In der Freibadumkleide herrschte dank Nebelmaschine Nullsicht, es galt zwei Vermisste zu finden und zu retten. Außerdem mussten Lasten über längere Wege zweimal rund ums Schwimmerbecken transportiert und die Treppe zur ehemaligen Milchbar erklommen werden – nicht einmal, sondern zehnmal. Ein Atemschutzausbilder der Region beobachtete dabei, dass alles den Anforderungen entsprach.
Aus eigener Erfahrung lässt sich sagen: Es war wie gefordert anstrengend – und hat dabei viel Spaß gemacht!
An dieser Stelle ein ganz besonderer Dank an die Langenhagener Stadtgerätewarte und die Feuerwehrtechnische Zentrale in Burgdorf, ohne die eine solche Übung nicht möglich gewesen wäre, sowie an die Stadt Langenhagen für die Bereitstellung des Übungsobjektes.
Der letzte Punkt gilt ganz allgemein für all die Firmen und Privatleute, die immer wieder helfen, in dem sie ihre Gebäude für die realitätsnahen Übungen zur Verfügung stellen, und deren Unterstützung sehr wertvoll ist.