Die Symbiose aus Wirtschaft und Kunst

Die drei Hauptakteure beim 25.Wirtschaftsstammtisch (von links): Galerist Hargen Depelmann, Kunsthistorikerin Frauke Engel und Bürgermeister Friedhelm Fischer. Foto: K. Raap

Galerie Depelmann Gastgeber beim 25. Wirtschaftsstammtisch der Stadt

Langenhagen (kr). Das war schon ein ganz besonderes Jubiläum: Zum 25. Mal veranstaltete die Stadt Langenhagen ihren Wirtschaftsstammtisch, der seit 1994 den Langenhagener Unternehmen die Möglichkeit bietet, in lockerem Rahmen Kontakte zu anderen Firmen, Politikern, Verwaltung und auch zur Presse zu knüpfen und zu pflegen. Den Entscheidungsträgern einzelner Unternehmen wird auf diesen Veranstaltungen mit jedesmal wechselnden Gastgebern Gelegenheit gegeben, sich und ihr Unternehmen vorzustellen. Beim Jubiläumsstammtisch, der in der Galerie Depelmann stattfand, begrüßte Bürgermeister Friedhelm Fischer mehr als 70 Gäste. "Die Galerie hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1978 nicht nur regional zu einem kulturellen Motor entwickelt", betonte der Bürgermeister, "sondern sich mittlerweile auch europaweit einen hervorragenden Ruf erarbeitet." Er verwies dabei auch auf die nun schon 137. Ausstellung des Hauses, die am 19. Juni mit der Eröffnung des traditionellen Skulpturensommers mit Bildhauerarbeiten für Haus und Garten beginnt. Galeriechef Hargen Depelmann stellte den Gästen in einem Kurzporträt sein Unternehmen vor: "Die fünf Schwerpunkte meiner Firma umfassen Kunsthandel, Edition, Galerie, Verlag und Werkstatt. Aktuell arbeite ich in den 600 Quadratmeter großen Räumlichkeiten mit 32 zeitgenössischen internationalen Künstlern zusammen." Als wichtigen Bestandteil seines Unternehmens bezeichnete er seine 1993 entwickelte Idee vom "Kleinen Format": "Fast alle Künstler machten mit, bei freier Technikwahl Arbeiten im Motivmaß von 20 x 20 Zentimeter anzufertigen. Die Arbeiten sollten preisgünstig und auch für junge Sammler erschwinglich sein." Der Erfolg halte bis heute an.
"Wozu braucht man eigentlich Kunst?" lautete das Schwerpunktthema dieser Veranstaltung, mit dem sich die Kunsthistorikerin Frauke Engel auseinandersetzte. Dabei beleuchte sie die unterschiedlichsten Bereiche wie die bildende Kunst mit den Bereichen Malerei, Plastik, Zeichnungen, Videokunst, Installationen und Performances. Dazu gehört aus ihrer Sicht natürlich auch Musik, Tanz und Theater, Literatur, Kunsthandwerk, Design und die Mutter der Künste, die Architektur. Kunst sei ein besonderer Bestandteil aller Kulturen. Sie setze Akzente, kritisiere und polarisiere. Bemerkungen wie "diese Schmierei könnte auch mein kleiner Enkel" seien gar nicht so selten. "Kunst ist Leben", betonte die Referentin, "sie füllt Wände, Räume und Gedanken. Wir brauchen sie, denn sonst wäre es verdammt langweilig." Wichtig sei, dass die Kunst für sich selbst stehe, "ob sie erklärt wird oder nicht." "Kunst sei etwas Intimes, ganz Persönliches", betonte Frauke Engel, "aber sie birgt auch mächtige Potenziale für Visionen und prozessoptimiertes Denken, auch im wirtschaftlichen Sinne." Künstler und Kunstwerke könnten auch kreative Räume schaffen, die auch Mitarbeiter anregen, unterstrich Frauke Engel mit Blick auf die anwesenden Unternehmer: "Ausstellungen, Bilder an Wänden und Gängen, in Büros oder Sozialräumen, Skulpturen im Foyer oder auf dem Vorplatz weiten den Blick." Kunst könne zum Erscheinungsbild einer Firma beitragen. Maßstäbe gesetzt habe da schon vor 100 Jahren der Keksfabrikant Hermann Bahlsen. Kunst und Wirtschaft stellten eine eine Symbiose, die schon lange existiere. Eine wichtige Funktion komme dem Galeristen zu. So arbeite auch Hargen Depelmann mit vielen Künstlern seit Jahren zusammen. "Er begleitet ihre Arbeit und unterstützt sie", so Frauke Engels, "er ist Verkäufer und Vermittler. Er ist derjenige, der den persönlichen Zuschnitt des Käufers erkennt und einschätzt." Sie selbst könne sich ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen, unterstrich die Referentin. Man könne sie öffentlich bewundern, sie aber auch erwerben und mit nach Hause nehmen.
Nach dem offiziellen Teil fanden die Gäste bei sommerlichen Temperaturen im wunderschönen Skulpturengarten noch genügend Zeit für Gespräche bei einem gemeinsamen Essen und einem schönen Glas Wein.