Die Wahlsieger sind Grüne und BBL

Wahlsieger Nummer 1 (von links): Die Grünen Michael Horn und Dirk Musfeldt sind in den Rat der Stadt gekommen; Andrea Kempkens hatte auch kandidiert.Foto: O. Krebs
 
Bleiben stärkste Fraktion: die SPD nach einem langen Wahlabend.Foto: O. Krebs

Kommunalwahl: SPD verliert nur leicht, CDU mehr als sechs Prozent

Langenhagen (ok). Langenhagen hat gewählt, und Bündnis 90/Die Grünen sowie das Bündnis unabhängiger Bürger Langenhagen (BBL) sind die Sieger des Wahlabends. Erreichten die Grünen mit 15,4 Prozent ihr bestes Ergebnis in der Flughafenstadt und werden künftig mit sieben Sitzen im Rat der Stadt Langenhagen vertreten sein, kam das BBL 7,4 Prozent. Jens Mommsen, Wilhelm Behrens und Werner Knabe – Letzterer war früher schon für die SPD und als Unabhängiger Volksvertreter – werden in den kommenden fünf Jahren Politik für die Wählergemeinschaft im Stadtparlament machen. Die SPD hat zwar leicht verloren und kommt jetzt auf 17 Mandate; die CDU verliert deutlicher und hat jetzt nach letzten Informationen wohl 14 statt zuvor 16 Sitze im Rat. Die FDP wird wieder in den Rat der Stadt einziehen, allerdings nur mit einem Sitz. Am Abend sah es noch so aus, als ob die Linke Brigitta Runge den Sprung in den Rat der Stadt schafft, am Ende bleibt es dann aber doch bei fünf politischen Gruppierungen. Die amtlichen Endergebnisse im Einzelnen: SPD 40,6 Prozent, CDU 32,7 Prozent, Grüne 15,4 Prozent, BBL 7,4 Prozent, FDP 2,6 Prozent, Die Linke 1,0 Prozent und die so genannte Rentnerinnen und Rentner Partei (RRP) 0,4 Prozent.
Marco Brunotte sieht die Koalition trotz des Stimmenverlustes der SPD durch das Ergebnis gestärkt, die Grünen seien für ihn nach wie vor "erster Ansprechpartner " bei zukünftigen Verhandlungen.
Die Hauptschuldigen für die Pleite sind nach Ansicht der FDP im Bund zu suchen. Manfred Hoppe aus Godshorn sarkastisch: "Wir können uns bei Guido und Co. bedanken". Die 'Grünen – nicht nur im Stadtrat mit sieben Mandaten, sondern erstmals sogar in drei Ortsräten mit insgesamt vier Vertretern am Zug, berufen sich dagegen auf die "erfolgreiche Politik vor Ort", so Heinrich Kohne aus Schulenburg. Jens Mommsen vom BBL krempelte noch am Wahlabend die Ärmel hoch: "Wir werden jetzt an die Arbeit gehen." War er bislang einer der Hauptkritiker des Bürgermeisters in den Einwohnerfragestunden, hat er zumindest in den kommenden fünf Jahren die Chance und auch die Verpflichtung mitzugestalten, wenn wohl auch aus der Oppostion heraus. In der Rolle findet sich auch die CDU wieder, musste Stimmenverluste von 6,2 Prozent verkraften. "Opposition ist Opposition, mit wie vielen Sitzen ist letztendlich egal", so CDU-Fraktionschef Mirko Heuer mit einer Portion Galgenhumor. Er wird in der kommenden Legislaturperiode wieder im Rat vertreten sein, genau wie Gesine Saft, die zum vierten Mal ins Parlament einzieht. Eine faustdicke Überraschung ist allerdings das Scheitern Ulrich Müllers. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende ist in der nächsten Runde nicht mehr dabei. Dafür allerdings Lutz Döpke, der im Stile eines Michael Schumacher vom letzten Platz durchstartete. Das Resultat: 439 Stimmen und 5,6 Prozent. Ein Opfer des komplizierten Wahlsystems nach Hare-Niemeyer ist dagegen Marco Kurz (Grüne) geworden. Trotz einer höheren Zahl an Einzelstimmen musste er Fraktionskollegen den Vortritt lassen und wird dem Rat in den kommenden fünf Jahren nicht mehr angehören. Die neuen Ratsmitglieder – zwei mehr als in der vorigen Legislaturperiode nach Fraktionen geordnet:
SPD: Elke Zach, Irina Brunotte, Cornelia Lütge, Marco Brunotte, Bärbel Michaelis, Wolfgang Langrehr, Marc Köhler, Dagmar Janik, Willi Minne, Gudrun Mennecke, Karl-Heinz Dahlke und Ulrich Weyel; neu dabei sind Anja Sander, Jean-Pierre Hühne, Frank Stuckmann, Matthias Gleichmann und Marco Rösler. CDU: Mirko Heuer, Renate Friedrich, Ursula Ladwig, Bernhard Döhner, Gesine Saft, Gabriele Spier, Reinhard Grabowsky, Eckart Jakob, Dietmar Grundey, Mike Scheer und Lutz Döpke; neu dabei sind Ute Bielmann-Sprung, Marco Zacharias und Sonja Vorwerk-Gerth. Grüne: Dirk Musfeldt, Ulrike Jagau und Heinrich Kohne; neu dabei sind Michael Horn, Maren Rietschel, Elvira Drescher und Marion Kellner. BBL: Wilhelm Behrens, Jens Mommsen und Werner Knabe; FDP: Bernd Speich.
In der Regionsversammlung vertreten die Langenhagener Farben Elke Zach (SPD) und Andreas Friedrich (CDU). Erschreckend: die níedrige Wahlbeteiligung von lediglich 43 Prozent, im neuen Wahllokal im AWO-Familienzentrum "Sonnenblume" im Weiherfeld waren bis 15 Uhr noch nicht einmal 20 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gekommen.
Noch ist der Wahlkampf aber nicht beendet, geht vielleicht sogar auf juristischem Wege in eine neue Runde. Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Mirko Heuer ist kurz vor Toresschluss eine anwaltliche Abmahnung ins Haus geflattert, seiner Partei wird vorgeworfen, den "Guttenberg gemacht", also dreist plagiatiert zu haben. Zur Erklärung: Die Christdemokraten haben SPD-Zitate in ihren Flyer übernommen, um sie auseinanderzunehmen. Für den Langenhagener Sozialdemokraten Marco Brunotte eine klare Urheberrechtsverletzung ohne Kenntlichmachung der Zitate, für seinen Gegenspieler Mirko Heuer ein erlaubtes Stilmittel im Wahlkampf und ein Stück weit auch Satire. Nun, es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wie die ganze Geschichte weitergeht und was am Ende von ihr übrigbleibt.