„Dolchstoßlegende“ beim SoVD Krähenwinkel/Kaltenweide?

Macht beim Sozialverband in Krähenwinkel nicht mehr weiter: Hans-Joachim Krüger. (Foto: O. Krebs)

Ex-Vorsitzender stellt sozialen Zweck der Wohlfahrtsorganisation in Frage

Krähenwinkel/Kaltenweide (ok). Der Zeitpunkt hätte ungünstiger kaum sein können. Kurz vor der Feier des 70. Geburtstages des Ortsverbandes hat es beim Sozialverband Krähenwinkel/Kaltenweide so richtig gekracht. Der Vorsitzende Hans-Joachim Krüger hat nach dreieinhalb Jahren die Brocken hingeschmissen. Und mit ihm nach seinen Angaben drei weitere Mitglieder des erweiterten elfköpfigen Vorstandes. Stein des Anstoßes soll die neue „Europäische Datenschutzverordnung“ gewesen sein. Hans-Joachim Krüger: „Der Landesverband hat uns die neue Verordnung in Form von drei DIN-A4-Seiten ohne vorherige Erläuterung vom Landesverband zur Unterschrift zugesandt.“ Des Weiteren seien seit Mai keine erforderlichen Rechnungen für die ordnungsgemäße Ortsverbandführung eingegangen. Versuche der Klärung seien ohne Reaktion verlaufen. Krüger: „Der gesamte Vorstand hat deshalb mit Unterschrift am 31. August seinen Rücktritt zum 5. September erklärt.“ Daraufhin habe es auch null Reaktion gegeben.
Stefanie Jäkel, Sprecherin des Landesverbandes, weist die Vorwürfe aber von sich. Datenschutz sei ein hochsensibles Thema im Landesverband mit seinen insgesamt 276.000 Mitgliedern. Ohne unterschriebene Einwilligungserklärung gebe es eben keine Daten. Rechnungen und Unterlagen seien aber definitiv nicht zurückgehalten worden. Nicht gelten lässt Stefanie Jäkel auch, dass es keine Informationen gegeben habe. Intranet, Zeitungen, Datenschutzbeauftragte – es gebe viele Möglichkeiten. Und: Auch ohne Liste sei es möglich, die Arbeit weiterzuführen. Ein Kollege vom Landesverband hätte durchaus unterstützen können. Die meisten Einwilligungserklärungen seien inzwischen zurückgekommen. Aber Hans-Joachim Krüger will definitiv nicht mehr. Er spricht im Folgenden von einer „Dolchstoßlegende“. Es sei ein privates Treffen organisiert worden, weil der Stadtsprecher gesagt haben soll, der Ortsverband würde aufgelöst, wenn niemand die Datenschutzerklärung unterschreibe. Krüger stellt die Frage in den Raum: „Ist das Nötigung?“.  Krügers Vorgänger im Amt, Günther Rümper, sieht das nicht so und sagt: „Wenn wir die Erklärung nicht unterschrieben hätten, wäre der Ortsverband aufgelöst worden.“ Und das bestätigt auch SoVD-Sprecher Matthias Möhle: "Eine professionelle Firma hat eine Datenschutzerklärung für Haupt- und Ehrenamtliche entwickelt.  Ein Vorstand, der die Datenschutzerklärung nicht zeichnet, darf keine sensiblen Mitgliedsdaten erhalten. Damit ist dieser Vorstand nicht mehr handlungsfähig. In diesem Fall würde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden mit dem Ziel, einen handlungsfähigen Vorstand zu finden.Sollte dies wider Erwarten nicht gelingen, folgt eine zweite außerordentliche Mitgliederversammlung, auf der die Auflösung des Ortsverbandes das Ergebnis sein könnte." Die Mitglieder selbst seien allerdings nicht betroffen, würden einem anderen Ortsverband zugeordnet.
Aber nicht nur das: Hans-Joachim Krüger stellt außerdem das Beitragssystem des Sozialverbandes in Frage, bei dem zum Beispiel eine Familie genauso wie ein Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern 120 Euro Jahresbeitrag zahlen muss. Bei mehr als 50 Mitarbeitern kämen 15 Cent pro Mitarbeiter dazu. Für ihn sei das alles andere als sozial, und so habe er seine Konsequenzen gezogen. Matthias Möhle dazu: "Dieses Angebot gilt nur für Erstberatungen. Sobald es weitergehender und persönlicher wird, muss der einzelne Betroffene eintreten."
Eines wird bei dieser Auseinandersetzung deutlich: Das Tischtuch scheint zerschnitten, Krüger wird der 70-Jahr-Feier – sie geht am Sonnabend, 13. Oktober, ab 12.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Krähenwinkel über die Bühne – fernbleiben.