Ein Ball beim Tanzen stellte die Weichen

Gehen ihren Weg seit 70 Jahren gemeinsam als Ehepaar: Margarete und Horst Körber. (Foto: O. Krebs)
 
Das Gnadenpaar trat am 8. Dezember 1950 in der Markuskirche vor den Traualtar.

Margarete und Horst Körber feiern am 8. Dezember seltene Gnadenhochzeit

Langenhagen (ok). Zweimal ist er in seinem Leben zu spät gekommen, und zweimal hat ihm diese Tatsache richtig Glück gebracht. "Ich bin glücklicherweise 24 Stunden zu spät gemustert worden und musste deshalb nicht mehr an den letzten Kriegstagen Soldat werden", erinnert sich der heute 91-jährige Horst Körber. Und zweieinhalb Jahre später bescherte ihm seine Unpünktlichkeit die Frau fürs Leben. Zum Mittelball seiner Tanzschule, die er nur auf Drängen eines Freundes besuchte, kam er zu spät Margerete Körber hatte es auch nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zum Mittelball der Tanzschule Tolle-Lauenstein an der Waldstraße geschafft. Ihr Tanzlehrer nahm die beiden schon an der Tür in Empfang und schickte sie als Paar in den Tanzsaal. Und von da an gingen die Fachverkäuferin im Bäckerhandwerk und der Vermessungstechniker gemeinsam durchs Leben, tanzten weiter gemeinsam auf vielen Bällen. Den Tanzkursus, der die Weichen für die Zukunft stellte, hatte sie übrigens von ihrem Ausbildungsmeister zum 17. Geburtstag geschenkt bekommen. Die heute 90 Jahre alte gebürtige Bochumerin war als 14-Jährige am Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Sudetenland geflüchtet und über Braunschweig in Hannover bei der Schwester ihrer Mutter gelandet. Ihr Horst erblickte in Göttingen das Licht der Welt. Er kam 1938 nach Hannover als sein Vater, eine Molkereimeister, eine Stelle bei der Landwirtschaftskammer antrat. Und lernte genau dort in der Landeshauptstdt eben neun Jahre später seine Margarete kennen. Bis die zwei sich verlobten, vergingen noch drei Jahre, im Mai 1950 war es dann soweit. Und am 8. Dezember wurde dann standesamtlich geheiratet, einen Tag später gaben sich die beiden, die jetzt die seltene Gnadenhochzeit feiern, das Ja-Wort in der Markuskirche. Die Frage nach einer gemeinsamen Wohnung stellte sich. Margarete Körber etwa hatte vor der Heirat noch über die Backstube in ihrem Betrieb gewohnt und wurde manchmal morgens unsanft mit einem Stoß eines Besenstiels gegen die Decke unter ihr geweckt. "Dann mussten wir in der Backstube mithelfen, wenn ein Geselle ausgefallen war", sagt sie heute schmunzelnd. Doch eine gemeinsame Wohnung zu finden, war damals wie heute gar nicht so einfach. "Wir waren nicht ausgebombt und auch keine Flüchtlinge". erinnert sich das Gnadenpaar. Also zogen die Frischvermählten erst einmal in eineinhalb Zimmer in Horst Körbers Elternhaus, bevor sich 1955 die Gelegenheit ergab, in Langenhagen ein Grundstück am Elmweg zu erwerben. Sie bewohnten die oberer Wohnung des Hauses. Mit dem dritten Kind wurde es dort aber zu eng. Das Grundstück war zum Glück groß genug, sodass sie nebenan gleich noch einmal bauten. Und in ihrem trauten Heim, in das sie 1967 gezogen sind, leben die beiden heute noch. Vermessungstechniker Horst Körber stand unter anderem bei der Planungsstelle des Regierungspräsidenten, beim Kommunalverband Großraum Hannover und zum Schluss beim Landkreis in Lohn und Brot. Auch politisch hat sich der interessierte Horst Körber - er gehört der SPD seit 60 Jahren an - engagiert, gehörte zwei Jahre lang dem Rat der Stadt Langenhagen an und war viele Jahre lang Vorsitzender der AG 60 plus. Seit Jahrzehnten wirkt er im Stadtarchiv mit, gerade, was das Kataster für alte Flurnamen angeht. Für sein ehrenamtliches Engagement ist er kürzlich geehrt worden. Und zehn Jahre lang war Körber, der heute noch gern zum Schwimmen geht, Landesvorsitzender des Familienverbandes "Bund der Kinderreichen". Seine Ehefrau Margarete hat 18 jahre lang im Sozialamt der Stadt Hannover gearbeitet, als die gemeinsame Tochter auf die Integrierte Gesamtschule gekommen ist. Neben den beiden Söhnen gehören auch noch vier Enkel zur Familie. Urlaub war für Margarete und Horst Körber übrigens lange Zeit ein Fremdwort, erst 20 Jahre nach der Hochzeit ging es das erste Mal in den Bayerischen Wald. "Aber die Kinder haben nichts vermisst, sind im Sommer am Silbersee großgeworden", sagt Margarete Körber. Zur Feier der Gnadenhochzeit kommt wegen der Corona-Pandemie allerdings nur der jüngere Sohn. Aber, wenn wieder mehr möglich ist, soll sie nachgeholt werden. Zu Recht, denn der 70. Hochzeitstag kommt ja wirklich nicht alle Tage vor.