Ein besonderer Schüleraustausch

Symbolisch unterzeichneten die Schülerinnen und Schüler eine deutsch-französische Flagge.
 
In Frankreich dominierte der Schnee den Austausch.

Le Trait – Langenhagen: 50. Jahrestag des Elyséevertrages

„Wie recht hatten Sie, es flossen schon vor dem Abschied Tränen. Es war eine tolle Zeit!. O-Ton einer am Austausch beteiligten Mutter. Am Donnerstag endete der insgesamt zweiwöchige Austausch der beiden Schulen Collège Charcot in Le Trait (Seine Maritime) und der IGS Langenhagen. Der Himmel weinte mit, als die Schülerinnen und Schüler nach zwei besonderen Wochen in den Bus nach Hause stiegen und sich die neu gewonnenen Freunde und Freundinnen trennen mussten.
50 Jahre Freundschaftsvertrag zwischen Frankreich und Deutschland hieß für die Organisatorinnen in diesem Jahr besonders auf das Arbeiten an deutsch-französischen Themen zu achten: so wurde zum Beispiel an einem Animationsnachmittag ein gemeinsamer Tanz aller fast 70 Teilnehmenden (auch der Lehrer und Lehrerinnen) erarbeitet – mancher Schweißtropfen wurde vergossen und viel gelacht. In Tandems erarbeiteten die Schüler die Aussprache von Zungenbrechern, die beiden Sprachen gelten ja für den jeweils anderen als schwer. „Fischers Fritz…“ kam mit französischem Akzent recht lustig daher, da hatten die deutschen Partner Mühe, ebenso wie beim Aussprechen von „Un chasseur sachant chasser sans son chien…“
In beiden Ländern begrüßten im Partnerschaftskomitee arbeitende Vertreter der Kommunen die Gruppen, Jacques Couvèze, der ehemalige Leiter der Musikschule in Le Trait hob hervor, wie wichtig Begegnungen zwischen Jugendlichen sind. „Euer Tun und eure Bereitschaft wird die Freundschaft zwischen beiden Ländern, die wir Älteren gebaut haben, erhalten und festigen.“ Der stellvertretende Bürgermeister Langenhagens, Willi Minne, hob bei seiner Begrüßung in Langenhagen hervor, wie interessant die jeweils andere Kommune auch auf dem Praktikums- und Arbeitsmarkt sein kann und blickte damit über den Schüleraustausch hinaus.
Le Trait und Godshorn sind seit mehr als 40 Jahren Partnergemeinden; die Schulen arbeiteten in diesem Jahr zum fünften Mal zusammen. Die Deutschlehrerin aus Le Trait, Christine Gille, schätzt an Langenhagen, dass sowohl ihre jüngeren als auch ihre älteren Schülerinnen und Schüler hier so gute Möglichkeiten haben, die deutsche Kultur kennen zu lernen und sich gleichzeitig auch als junge Europäer zu fühlen. Begeistert stellt sie fest: „Meine Schüler genießen das Programm. Sie wollen gar nicht mehr nach Hause.“ Lisa Marek aus der neunten Klasse fügt hinzu, als sie vom Hochseil absteigt: „Mais Madame, Ihre Schule ist so toll. Wir bleiben hier.“
Als Höhepunkt beider Begegnungswochen wurden in diesem Jahr zwei eigens von einer Mutter aus Le Trait genähte deutsch-französischen Fahnen von allen Teilnehmenden unterzeichnet und an die beiden Schulen gegeben.
Die Schülerinnen und Schüler hatten in Frankreich Pech mit dem Wetter und erlebten Anfang März in der Normandie den Ausnahmezustand, nachdem es kräftig geschneit hatte und die Straßen unpassierbar waren: kein Schülertransport zur Schule – das hieß drei Tage schulfrei und Schneeballschlachten ohne Ende. „Irgendwann war es dann langweilig zu Hause und zu kalt im Schnee!“ gesteht eine der Teilnehmerinnen. Dankenswerterweise nahmen die französischen Familien die Kinder einen weiteren Tag auf, sodass bei der Rückfahrt direkt zu den Osterferien die Straßen frei waren. Ab Montag stand nur noch „Schnee“auf dem Programm sowie Crepes backen zu Hause.
Klettern, Billiard spielen, Zeichnen von zeitgenössischer Kunst im Sprengelmuseum und Probieren von Piment, Vanille und Safran im Museum Spicys in Hamburg oder eine Turmauffahrt im Rathaus in Hannover – die Schülerinnen und Schüler haben in Langenhagen Vieles zusammen erlebt und die Familien am Wochenende eigene Akzente gesetzt. Die französischen Jugendlichen nahmen daneben auch am Unterricht ihrer deutschen Partner teil, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Schulsysteme zu erleben. Da eine große Anzahl Jungen von französischer Seite gekommen war, stellte Martina Bog, Lehrerin an der IGS Langenhagen und diesjährige Mitorganisatorin des Austausches, auch eine Besichtigung von VW in Stöcken mit auf das Programm – zu Hause werden die Schüler dann die Aufgabe haben, eine Werbung zu formulieren.
„Auch den teilnehmenden jüngeren Schülerinnen und Schülern, die erst seit ein eineinhalb Jahren Französisch lernen, fällt das Sprechen und vor allem das Verstehen inzwischen viel leichter! Sie haben sich als gute Gastgeber erwiesen“, lobt Isabel Wagemann-Steidel ihre Schülerinnen und Schüler, und sie dankt allen Familien, die sich auf dieses kleine deutsch-französische Abenteuer eingelassen haben.