"Ein grauenhafter Perfektionismus"

Annette v. Stieglitz führte die Klasse informativ durch die Ausstellung.Foto: O. Krebs

"50 Jahre Mauerbau" noch bis zum 3. Oktober im Treffpunkt

Langenhagen (ok). Die innerdeutsche Grenze, die sich auf mehr als 1.300 Kilometern quer durch Deutschland und auch in und um Berlin zog – für Annette v. Stieglitz ein "grauenhafter Perfektionismus, der nicht mehr zu steigern war." Eine zehnte Hauptschulklasse mit ihrer Klassenlehrerin Claudia Gundelach führte die Leiterin der Volkshochschule jetzt durch die Ausstellung "Die Mauer – eine Grenze durch Deutschland" im Treffpunkt, die noch bis zum 3. Oktober läuft. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten das Thema, von dem die wenigsten vorher gehört hatten, im Unterricht auf. "Der Anstoß kam vom Vater eines Jungen, der in der DDR aufgewachsen ist", erzählte Claudia Gundelach. Annette v. Stieglitz, die selbst mehrmals in der DDR war und gerade von ihren Erfahrungen kurz vor der Wende berichtete, schilderte das menschenverachtende System der Deutschen Demokratischen Republik, in dem zahlreiche Menschen zu Tode kamen, man vielen nicht richtig trauen konnte und Familien auseinandergerissen wurden, anschaulich. Eindrucksvoll ihr Bericht vom 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989. Auf der eine Seite die staatlichen Feierlichkeiten mit den Durchhalteparolen der Regierenden, auf der anderen Seite die Proteste der Bevölkerung. "Die Stimmung war fast am Explodieren", so v. Stieglitz und die DDR am Ende. Dabei hatte es 40 Jahre lang so ausgesehen, als würde sich nie etwas ändern. Auch die Bürgerinnen und Bürger im Westteil Berlins hätten sich mit der Mauer abgefunden, gleichwohl die Zahl der Depressionen und Suizide im Schatten der Mauer höher als in der restlichen Bundesrepublik Deutschland gewesen sei. Aber: "Irgendwann muss man eben Dinge akzeptieren, auch wenn sie schrecklich sind", so v. Stieglitz, die auch auf die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, die Berliner Blockade und die Massenflucht qualifizierter Arbeitskräfte aus der DDR einging. Mehr als 1,5 Millionen Menschen hatten der DDR bis zum Bau der Mauer im Jahre 1961 den Rücken gekehrt. Das Regime der DDR zog die Notbremse, aber Kontakte zwischen DDR-Bürgern und Westdeutschen blieben, schon 1973 gab es 3,5 Millionen Reisen von West nach Ost. Und: Der Menschenhandel, um Inhaftierte feizukaufen, war für die Regierung der DDR ein lukratives Geschäft; es wurden bis zu 50.000 D-Mark gezahlt. Am Schluss wurde aber eben eins ganz deutlich: "Du kannst die Menschen auf Dauer nicht einsperren", so Annette v. Stieglitz, die sich über weitere Schulklassen bis zum Ausstellungsende freut.