Ein hohes Gut

Manche Dinge weiß man erst dann zu schätzen, wenn man sie vermisst. Und das, was wir für selbstverständlich halten, treten wir manchmal mit Füßen.
Das fängt bei den meisten mit der Gesundheit an. Erst wenn ich mal ein paar Tage ans Bett gebunden war, merke ich, wie schön es ist, einfach vor die Tür zu gehen zu können oder morgens ohne Kopfschmerzen aufzuwachen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Regen. Natürlich nervt es, wenn es tagelang nieselt und ich mich kaum noch erinnern kann, wie sich der Sonnenschein anfühlt. Aber wie denken Menschen wohl darüber, die in Gegenden leben, in denen das Wasser knapp ist? Da ist jeder Eimer mit sauberem Wasser eine echte Kostbarkeit. Und dass wir in einem so reichen und hochentwickelten Land leben, hat vermutlich eine ganze Menge mit der nahezu grenzenlosen Verfügbarkeit von Wasser in unserem Land zu tun.
Ich finde es übrigens auch bemerkenswert, dass es bei uns überall eine Kirche in erreichbarer Nähe gibt. Orte, die jedem, der danach sucht, Raum für Gebete und Besinnung bieten. Es gibt Momente im Leben, in denen wir das dringend brauchen.
An diesem Sonntag ist Landtagswahl. Auch das ist ein sehr hohes Gut. An freien Wahlen teilnehmen zu dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit. Man kann das erahnen, wenn man sieht, wie Menschen in fernen Ländern für freie Wahlen auf die Straße gehen und kämpfen. Wir sollten dieses Recht nicht mit Füßen treten. Und auch wenn mich manches an der aktuellen Politik stört, ich werde wählen gehen.


Torsten Kröncke, Pastor