Ein Leben für Krähenwinkel

Ehrenbürger Alfred Oellerich. Foto: Stadtarchiv

Bürgermeister Alfred Oellerich wurde 1973 Ehrenbürger

Krähenwinkel (kr). Er gehörte zu den ersten Männern, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Ärmel hochkrempelten, um ihrer Gemeinde neue Impulse zu geben. Er engagierte sich sofort im Rat und war von 1948 bis 1953 und von 1955 bis 1964 Bürgermeister von Krähenwinkel. Die Rede ist von Alfred Oellerich, der sich ein Leben lang für die Belange seiner Gemeinde einsetzte. Für seine beispielhafte Arbeit wurde er 1967 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am 7. September 1973 wurde er Ehrenbürger der Gemeinde Krähenwinkel. "Er verkörperte einen Typ, ohne den keine Gemeinde auskommt, wenn sie leben will. Begriffe wie Pflichterfüllung und Charakterstärke waren für ihn selbstverständlich. Er prägte seine Gemeinde mit, sein Wort hatte immer Gewicht. Er opferte über Jahrzehnte hinweg Freizeit und Kraft, um mitzuhelfen, das möglich zu machen. Das schrieb Walter Raap anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde über Alfred Oellerich im Langenhagener ECHO. Walter Raap verband als Mitbegründer und langjähriger Herausgeber dieser Zeitung eine ganz besondere Freundschaft mit dem Ehrenbürger. Der gelernte Buchdrucker Oellerich war im damaligen Betrieb Frommeyer & Jacob im Jahr 1950 der Mann, der auf einer schon damals vorsintflutlichen Maschine die allerersten Ausgaben des Langenhagener ECHO druckte, das in den ersten Jahren noch Dorfbote hieß.
Alfred Oellerich wurde am 27. November 1902 in Koblenz geboren. Bereits 1920 kam er mit seinen Eltern nach Krähenwinkel. 1922 schloss er sich der SPD an. 1925 heiratete er Elise Mellentin, eine Tochter des späteren Bürgermeisters Willi Mellentin. Der junge Mann hatte eine Vielzahl von Interessen. Zwölf Jahre lang war er aktiver Fußballer in Langenhagen. Er wirkte mit im Gemischten Chor des Arbeitervereins Langenhagen, später gründete er in Krähenwinkel den Gesangsverein Harmonie. Mit 27 Jahren wurde er 1929 in die Gemeindevertretung berufen. Die Nazis "entfernten" den überzeugten Sozialdemokraten 1933 aus diesem Amt und verdammten ihn zu jahrelanger Arbeitslosigkeit. Er hatte dennoch den Mut, sämtliche Unterlagen der SPD-Ortsvereine auf seinem Dachboden zu verstecken, auch die der Arbeitersport- und Gesangsvereine. Nach dem Krieg war er unter anderem auch im Kreistag und wirkte 15 Jahre als Schöffe. Dem Gemeinderat gehörte er bis 1972 als Beigeordneter an. Als Alfred Oellerich am 24. Februar im Alter von 74 Jahren starb, trauerte Krähenwinkel um einen Mitbürger, der in der Aufbauarbeit dieser Gemeinde beispielhafte Akzente gesetzt hatte.