Ein letztes Mal

An diesem Wochenende betreten viele Tausend Erstklässler zum ersten Mal die Schule. Sie haben noch ihr ganzes Leben vor sich. Ja, wenn ich in diesen Tagen an
meinen Schulanfang denke und was bis zum heutigen Tag dazwischen liegt…
Damals wie heute sagt man, mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens. Es gab viel Ernstes, aber auch viel Erfreuliches. Was mich angeht, so heißt es in diesen Tagen Abschied nehmen vom Berufsleben. Da fängt man an, dass man vieles zum letzten Mal macht. Es fing schon im letzten Advent an. Zum Schluss der Seniorenadventsfeier machte ein Gemeindeglied folgende Bemerkung: “Das war ja nun das letzte Mal, dass sie mit uns Advent gefeiert haben!“ Seitdem bekam ich das des öfteren zu hören, habe es selber auch gesagt, gedacht. Ein letztes Mal schreibe ich nun den Artikel für Quergedacht, bevor ich in Pension gehe. Und wie das immer so ist, man geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auch wenn Jesus sagt: „Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, ist nicht geschickt für das Reich Gottes“, so gehen meine Gedanken in diesen Tagen doch zurück auf 43 Jahre hauptberuflichen Dienstes im Pfarramtbüro, im Kindergarten, in der Gemeindearbeit, im Kloster… Viele, sehr unterschiedliche Menschen sind mir begegnet. Mit manchen Menschen kommt man gut aus, andere wiederum bereiten einem Schwierigkeiten und sicher beruht dieses auch auf Gegenseitigkeit. Es ist doch so, dass „jeder Mensch seine drei ‚G’ hat: Gaben, Grenzen und Gefahren. Jede und Jeder von uns braucht dann das Getragen-Werden. Wo ich Menschen verletzt habe, bitte ich auch auf diesem Weg um Verzeihung.
Im Laufe der Jahre haben sich auch viele Freundschaften entwickeln. Ich bin sehr dankbar für die vielen Menschen, die mir immer wieder Mut zugesprochen, ihren Dank, aber auch Kritik geäußert haben.
Von diesen 43 Jahren war ich zwölf Jahre in Langenhagen. Die Zahl „Zwölf“ ist im Christentum eine Heilige Zahl. Denken Sie nur an die zwölf Stämme Israels, an die zwölf Jünger… Die Zahl bedeutet Vollkommenheit und Vollständigkeit. Nicht, dass Sie das mit der Vollkommenheit falsch verstehen… Vollkommenheit beanspruche ich nicht für mich. Vollkommenheit und Vollständigkeit möchte ich in diesem Zusammenhang eher als Berufsvollendung/-abrundung sehen. Ja, die zwölf Jahre hier in Langenhagen haben sehr zur Vervollständigung/Abrundung meines Berufslebens beigetragen, gerade auch, was die Beziehungen zur Ökumene betreffen. Es war eine runde Sache und ich denke da ganz besonders an unseren 1. Ökumenischen Stadtkirchentag in Langenhagen. Möge diese intensive Verbindung – bei aller Verschiedenheit- weiterhin Früchte tragen.
Es sei noch ein Blick in die Zukunft gestattet. Wie sie sein wird, wissen wir/weiß ich nicht. Da macht man Pläne, wie es nach der Pensionierung weitergehen kann. Doch plötzlich kommt alles anders. Da platzen Träume und neue, nie gedachte Wege eröffnen sich. Der Mensch denkt und Gott lenkt! Gut, das es so ist! Gott ist ein Gott der Geschichte mit seinem Volk, mit der Welt und mit jedem Einzelnen von uns. Es tut gut zu glauben und sagen zu können: Gott, hier bin ich, sende mich!
So wünsche ich den Schulanfängerinnen und Schulänfängern, den Leserinnen und Lesern des ECHO und den Einwohnern der Stadt Langenhagen für die Zukunft Gottes Segen!
Karla Lüddecke, Gemeindereferentin