"Ein massiver Vertrauensbruch“

Wird die Kaltenweider Schule zur Ganztagseinrichtung? (Foto: O. Krebs)

Kaltenweider Grundschule: tiefer Graben zwischen BfK und CDU-Ratsfraktion

Kaltenweide (ok). Das Tischtuch zwischen der CDU-Ratsfraktion und dem Verein Bürger für Kaltenweide scheint zerschnitten. Grund: Der Verein, der sich seit vielen Jahren im Norden Langenhagens engagiert, fühlt sich von den Christdemokraten übergangen. Die CDU habe die Formulierung einer Beschlussdrucksache zur Betreuung an der Grundschule Kaltenweide „eigenmächtig und ohne Rücksprache“ mit den Beteiligten abgeändert und so die Position von Schule, Schulvorstand und dem Verein „Bürger für Kaltenweide“ verfälscht. Die konkrete Formulierung, um die es geht, lautet: „Hierbei ist in der weiterführenden Diskussion zu berücksichtigen, dass die drei Beteiligten übereinstimmend den Wunsch äußern, den Ganztagsschulbetrieb nicht vor dem Schuljahr 2025/26 umzusetzen“. Der Antrag soll in der nächsten Kaltenweider Ortsratssitzung am Dienstag, 24. November, behandelt werden. Für den BfK-Vorsitzenden Florian Windeck stellt die Passage einen "massiven Vertrauensbruch“ dar. Windeck: „Die Entscheidung, welche nachschulische Betreuungsform sich die Kaltenweider Eltern wünschen, sollte nicht allein von der Politik, sondern im Dialog mit den Eltern entschieden werden.“ Zugestimmt habe der BfK deshalb folgender Formulierung: „Die Beantragung einer Ganztagsschule wird unter Vorbehalt einer von der Verwaltung durchgeführten Elternbefragung und der Einbeziehung des Schulvorstandes erst ab dem Schuljahr 2024/25 vorgenommen.“ Für CDU-Fraktionschef und Ortsbürgermeister Reinhard Grabowsky viel Lärm des „Bürgervereins“, wie er ihn nennt, um nichts und ein ganz normaler Vorgang. Er könne nicht verstehen, warum der Verein sich gegen die Initiative der CDU wehre. „Im Verlauf der politischen Beratungen wurde der Text überarbeitet. Die Beteiligten hatten über eine Woche lang Zeit, sich zu äußern. Es gab keine Änderungswünsche. Daraufhin haben wir den Antrag in die politische Beratung eingebracht. Das ist ein gängiger Prozess und nichts Ungewöhnliches“, beschreibt Grabowsky das Procedere. Um noch nachzulegen: „Wir wissen, dass eine Weiterentwicklung an der Grundschule nur zusammen mit Schulleitung und Eltern funktionieren kann. Und dafür setzen wir uns ein.“ Für seine Kollegin, die CDU-Stadtverbandsvorsitzende Jessica Golatka, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um den Umbau des Gebäudes voranzubringen, denn Ganztag brauche Platz. Der sei mit dem Beschluss über den Wegzug der Feuerwehr jetzt vorhanden. Die Verwaltung plane einen Workshop, bei dem alle mitmachen könnten. Eine Kooperation zwischen dem Ganztag der Schule und dem Hort komme für sie auf jeden Fall in Frage.
In einer Stellungnahme macht der BfK deutlich, wie „unseriös und kontraproduktiv“ er das Vorgehen empfindet. Der BfK stimme einer Umwandlung in eine Ganztagsschule nicht ohne Weiteres zu, suche nach wie vor den Dialog mit Eltern und Erziehungsberechtigten. Florian Windeck: „Das haben wir sowohl im persönlichen Gespräch mit der Ratsfraktion als auch schriftlich immer wieder deutlich gemacht.“ Grabowsky beziehe sich auf die Umfrage eines Meinungsforschungsinstitut aus dem Jahre 2017, dass sich die Mehrheit der Eltern für ein Ganztagsschulangebot ausgesprochen habe. Für das BfK nicht aussagekräftig, da andere Betreuungsformen als Alternative außer Acht gelassen und zudem nur die Eltern eines Kindergartenjahrgangs befragt worden seien. Ein Ganztagsschulbetrieb sei auch mit Anbau nicht möglich, da Inklusionsfähigkeit nicht gegeben sei, Toiletten fehlten und auch Mensa und Küche nicht für einen Ganztagsschulbetrieb ausgelegt seien. Die Standpunkte sind aus Sicht der Beteiligten klar. Aus Sicht der CDU herrscht Stillstand an der Kaltenweider Grundschule, weil sich „einige wenige Kaltenweider“ konsequent gegen die Umsetzung wehrten. Reinhard Grabowsky: „Wir wollen die Grundschule zusammen mit der Schulleitung und den Eltern weiterentwickeln. Dazu haben wir uns zusammengesetzt und über einen Kompromiss gesprochen.“ Auch der BfK kämpft nach eigener Aussage weiterhin für eine Verbesserung der schulischen und nachschulischen Betreuung in Kaltenweide. Er weise die politschen Parteien seit Ende 2015 kontinuierlich auf die Probleme an der Schule hin, habe zuletzt im Mai dieses Jahres nachgehakt, inwieweit sie sich mit den Problemen auseinandergesetzt hätten. Obendrein habe der BfK mit Stadträtin Eva Bender gesprochen, in der Einwohnerfragestunde in der Ratssitzung auf die Probleme hingewiesen, sich aktiv an der Gestaltung des angesprochenen Workshops beteiligt und eine Übersicht über alle Betreuungsmodelle auf den Weg gebracht, um den Eltern die Entscheidung zu erleichtern.