Ein "Mietbunker" als Entrée zum alten Ortskern?

Was passiert auf dem Gelände des früheren NP-Marktes an der Kananoher Straße? (Foto: O. Krebs)

Kaltenweider laufen Sturm gegen möglichen Wohnkomplex auf dem NP-Gelände

Kalttenweide (ok). Für Langenhagens  Stadtbaurat Carsten Hettwer ist der Begriff "Mietbunker" völlig deplatziert, viele Kaltenweider empfinden den Bau von maximal 30 Wohneinheiten am Entrée zum alten Dorf offensichtlich so. Wie sonst sind 260 Unterschriften zu erklären, die in Windeseile gesammelt worden sind? Stein des Anstoßes: Der Bau auf dem Gelände des ehemaligen NP-Marktes an der Kananoher Straße, das ursprünglich für die Feuerwehr vorgesehen war. Für viele Anwohner überdimensioniert. Sie protestierten vor der Ratssitzung nach dem Motto "Wehret den Anfängen", zumal das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das so genannte ISEK eine Art Selbstverpflichtung der Verwaltung sein soll. Stadtbaurat Carsten Hettwer spricht eher von einem Grobkonzept als Grundlage für den Flächennutzungsplan. Nicht alle Flächen würden letztendlich realisiert. Auch die Zahl der Wohneinheiten stehe nicht fest, der Bedarf für Langenhagen müsse aber der Region gemeldet werden. Rabea Lachkham, Vorstandsmitglied des Vereins "Bürger für Kaltenweide" (BfK) machte allerdings deutlich, dass erst die Infrastruktur stimmen müsse, bevor an die Ausweisung von Neubaugebieten gedacht werden könne. Und das sei im Norden Langenhagens noch lange nicht der Fall  sowohl, was die Schule als zum Beispiel auch die Verkehrsbelastung angehe.Die Einwände der Anwohner müssten diskutiert, die Stellungnahmen nicht einfach abgewiesen. Dazu hat sich der Rat dann auch durchgerungen, das Thema ISEK wurde in der jüngsten Ratssitzung am Montag kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Christina Wolkenhauer, die schon seit 46 Jahren in Kaltenweide lebt, machte ihrem Herzen in der Einwohnerfragestunde aber trotzdem Luft, sprach davon, dass mit solch einem "Mietbunker", um beim eingangs genannten Begriff zu bleiben, der "dörfliche Style" zerstört würde. Die Problematik des ruhenden und fließenden Verkehrs sei auf der Kananoher Straße jetzt schon sehr groß. Christina Wolkenhauer: "Wir wünschen uns eine dreigeschossige Bebauung einschließlich Dach." Die Reaktionen der Politiker fiel in der Ratssitzung unterschiedlich aus. Andreas Eilers (WAL) und Jens Mommsen (BBL) beispielsweise waren der Überzeugung, dass die Planungen ohne die Proteste so "durchgewunken" worden wären, Domenic Veltrup (CDU) dagegen war der Ansicht, dass auf Planungsgröße und Optionen noch genau ein Auge geworfen werde. Der landwirtschaftliche Betrieb nebenan, den es schon seit dem 16. Jahrhundert gbt, fürchtet Stress mit den potenziellen Neubürgern. Ute Wolkenhauer: "Klagen wegen Lärms und Gerüchen sind vorprogrammiert." Sie fragt ernsthaft, ob das Höfesterben in Kaltenweide forciert werden solle. Für Heuer und Hettwer ist das ISEK etwas Grundsätzliches, aber der Bürgermeister kann die Nöte und Sorgen der betroffenen Anwohner durchaus verstehen. Auch, wenn es infrastrukturelle Probleme in allen Ortsteilen gebe. Stadtbaurat Carsten Hettwer machte im Gespräch mit dem ECHO noch einmal deutlich, dass es  noch überhaupt keinen Kontakt zu einem potenziellen Investor gebe. Ein Bau im Überschwemmungsgebiet, das ja auch gegen einen Feuerwehrneubau gesprochen habe, sei evenfalls ausgeschlossen. Wie geht es jetzt weiter? Stadtbaurat Carsten Hettwer: "Das ISEK wird in der nächsten Sitzung des Stadtplanungs- und Bauausschusses am Donnerstag, 3. Juni, um 17.45 Uhr noch einmal auf die Tagesordnung kommen. Sollte die schon überladen sein, gibt es eine Sondersitzung."