Ein „Prozess der Öffnung“

Sprechen sich für Parallelstrukturen aus (von links): Johanne Modder, Marc Köhler, Michael Reinink von der GBA, Thorsten Glapa, GBA-Geschäftsführer Heiner Peterburs, Gerlinde Quick vom Kindergarten Domino in Mellendorf und Marco Brunotte.Foto: O. Krebs

GBA: Landespolitiker Johanne Modder und Marco Brunotte diskutieren über Inklusion

Langenhagen (ok). Johanne Modder, Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, sprach beim Besuch der Gesellschaft für gemeinnützige Behindertenarbeit (GBA) in der Wiesenauer Mitte Klartext: „Alles, was wir vorne versäumen, zahlen wir hinten wieder drauf.“ Die Gesellschaft habe das Thema Inklusion lange verdrängt, jetzt dürfe das Kinde allerdings nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden. Es müsse peu à peu vorgegangen werden, viel in die Bildung der Lehrkräfte investiert werden, die gar nicht vorbereitet seien. Modder: „Fach- und Regelschulen müssen als gleichberechtige Partner auftreten.“ Inklusive Klassen seien von „Entschleunigung“ geprägt, trügen zur Bereicherung der Gesellschaft bei. Und: „Wer von uns ist ohne Handicap?“, fragt Modder. Ein „Prozess der Öffnung“ müsse einsetzen, aber GBA-Geschäftsführer Heiner Peterburs merkte auch an, dass Einrichtungen wie die GBA für Menschen in bestimmten Situationen auch Schutzräume bedeuteten, sie sich mit ihren Wohngruppen identifizierten. So auch der 48-jährige Thorsten Glapa, der jetzt bei Conti arbeitet, mit seinem Job bei den Hannoverschen Werkstätten vorher aber nicht zufrieden war. „Dort haben sie mich oft blöd angemacht“, sagt Glapa. Nach Ansicht des hiesigen SPD-Landtagsabgeordneten Marco Brunotte, der Modder bei ihrem Besuch genauso wie der SPD-Fraktionschef im Rat der Stadt Langenhagen, Marc Köhler, begleitete, findet Teilhabe nicht zuletzt über den Arbeitsmarkt statt, ein Problem, das im ländlichen Raum gravierender sei.
Und auch Johanne Modder, die das „skandinavische Modell“ präferiert, gab zu, dass es nicht gehe, alle Probleme der Welt in einer Einrichtung zu lösen. Eine hundertprozentige inklusive Gesellschaft sei illusorisch, gleichwohl gelte es, ganzheitlich zu denken. Parallelstrukturen müssten erhalten bleiben, nicht zuletzt deshalb sei die Diskussion um die „Förderschule Sprache“ um ein Jahr nach hinten bei der Regierungskoalition geschoben worden. Die fachlichen Experten der GBA gaben Modder und Brunotte mit auf den Weg, ein differenziertes Angebot zur individuellen Förderung bei der Finanzierung im Auge zu behalten. Peterburs: „Stabilisierung und Orientierung erfolgt auch über eine Regelbetreuung.“