„Ein Schlag in die Magengrube“

Bürgermeister Mirko Heuer will dritten Bauabschnitt am Schulzentrum stoppen

Langenhagen (ok). Bürgermeister Mirko Heuer macht sich im Moment nicht gerade Freunde am Schulzentrum: Sowohl Lehrer, Schüler und Eltern der Integrierten Gesamtschule als auch des Gymnasiums sind stinksauer auf den neuen Verwaltungschef. Denn: Heuer will den dritten Bauabschnitt am Schulzentrum stoppen, setzt auf ein Gesamtkonzept. Im Klartext: Eine Komplettanalyse aller notwendigen Neu- und Umbauten in der ganzen Stadt, die extern vergeben werden soll. Für IGS-Leiter Wolfgang Kuschel der falsche Weg, schließlich sei in Sachen dritter Bauabschnitt am Schulzentrum schon nahezu alles in Sack und Tüten gewesen, an die tausend Arbeitsstunden in ein Neubaukonzept geflossen, das pädagogischen Ansprüchen genügen soll. Kuschel, dem Irene Kretschmer, Leiterin des Gymnasiums, beipflichtet: „Nichts spricht bei der Modularbauweise gegen die Umsetzung eines Gesamtkonzeptes für die Stadt. Wir stehen kurz vor der Ausschreibung; es sind doch schon Kosten aufgelaufen.“ Das gemeinsam erarbeitete Konzept für den dritten Bauabschnitt, das unter anderem einen Abriss des B-Traktes vorsieht, sei absolut tragfähig und löse viele Raumprobleme im Schulzentrum. Die seien in einem städtischen Gutachten dokumentiert worden. Gerade auch für die gymnasiale Oberstufe an der IGS Langenhagen. Wolfgang Kuschel findet deutliche Worte: „Während sich der Bürgermeisterkandidat Heuer als schulfreundlicher Unterstützer des Neubauvorhabens profilierte, versetzt der Bürgermeister – kaum im Amt – den Schulen einen unerwarteten Schlag in die Magengrube, der unser Vertrauen in eine positive Zusammenarbeit untergräbt.“ Was den maroden B-Trakt angeht: Dort stinke es im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel – die Toiletten seien menschenunwürdig, im Lehrerzimmer rieche es nach Fäkalien. Abgesehen vom hohen Energieverbrauch in dem Gebäudeteil. Auch die Peko-Halle sei nicht mehr haltbar. Zusammengefasst: Irene Kretschmer und Wolfgang Kuschel wollen kurz- und mittelfristig eine spürbare Entlastung, appellieren auch an die Politiker an dem beschlossenen Konzept festzuhalten. Gerade auch unter dem Gesichtspunkt der Inklusion. Bisher habe sich Heuer gegenüber Lehrern, Eltern und Schülern nie so klar zu seinen Plänen geäußert. In Arbeitsgruppen wollen sich IGS und Gymnasium jetzt auf die nächste Ratssitzung am 16. Februar vorbereiten, wo Heuer sicher mit einer Menge Gegenwind und passend zur Jahreszeit mit einem frostigen Klima rechnen kann.
Bei der SPD mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Marc Köhler findet Heuer mit seinen Plänen keine offenen Ohren vor. Bildung habe für seine Fraktion oberste Priorität. Ein ausgeglichener Haushalt wegen verschobener Pläne sei eine Mogelpackung. Überhaupt könne es passieren, dass an den Schulen nicht mehr viel passiere, wenn der Haushalt erst so spät beschlossen werde. Das Geld sei im Haushalt für den dritten Bauabschnitt vorhanden und für ein Schwimmbad reiche es auch noch. Und auch der zweite Partner der Regierungskoalition ist äußerst skeptisch, was das Ganze angeht, hat vor der Finanzausschusssitzung am Dienstag, 10. Februar, noch Redebedarf mit Mirko Heuer. Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt: „Ich kann noch nicht so ganz nachvollziehen, warum ein Projekt schneller vorankommen soll, wenn man es erst anhält, damit es hinterher doppelt so schnell Fahrt aufnimmt.“ Und Geschwindigkeit spielt für ihn bei der Sanierung eine ganz große Rolle. Public Private Partnership (PPP) – eine Alternative, die Mirko Heuer ins Spiel bringt – birgt für ihn viele Risiken. Die Stadt könne möglicherweise auf Kosten sitzenbleiben, wenn nicht alles glattgehe. Diese Zeit und Energie solle lieber ins die Umsetzung des Projektes gesteckt werden.
Einer Meinung mit Bürgermeister Mirko Heuer ist CDU-Fraktionschef Bernhard Döhner. Er habe gerade beim Badneubau sehr gute Erfahrungen mit einem Generalplaner und einem Projektplaner gemacht, so könne eine Menge Geld gespart werden. Beim einstimmigen Beschluss zium dritten Bauabschnitt des Schulzentrums habe seine Partei keine Chance gehabt, sich gegen die schulpolitische Entwicklung von Rot-Grün durchzusetzen. Völlig d'accord gehe die CDU auch mit der angestrebten "schwarzen Null" Mirko Heuers, was den Haushalt angeht. "So haben wir zunächst einmal etwas Luft nach oben und stehen nicht unter der Aufsicht der Region", sagt Bernhard Döhner.