Ein "sicherer Hafen" für die Ukrainer

Alle packen mit an: Michael Weghofer und Mike Kluge und Andreas Behrens (verdeckt) bauen eine Tür ein.

Stadtverwaltung reagiert mit viel Engagement auf "dynamische Lage"

Langenhagen (ok). Langenhagens Sozialdezernentin Eva Bender hat es auf den Punkt gebracht: "Die Lage ist einigermaßen dynamisch." Aber die Stadtverwaltung reagiert flexibel auf die Geflüchteten, die jetzt aus der Ukraine in die Flughafenstadt kommen. Innerhalb von zwei Tagen hat  die Stadt Langenhagen kurzfristig eine weitere Möglichkeit geschaffen, um ihnen zu helfen und eine Unterkunft zu bieten.
Über das Wochenende haben Fachkräfte einer Langenhagener Firma die Sporthalle in der Nähe des Flughafens so umgebaut, dass zehn in sich geschlossene Einheiten mit jeweils vier Betten für die Unterbringung entstanden sind. Durch die vorhandenen Sanitär- und Duschräume der Halle gibt es eine gute Infrastruktur für die Menschen, die dort unterkommen.
„Wir sind anhaltend dabei, Wohneinheiten zu schaffen, in denen Geflüchtete unterkommen können. Dennoch brauchten wir jetzt unmittelbar Platz um die Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten, auf schnellstem Wege aufnehmen zu können und ihnen einen sicheren Platz bieten zu können“, so Eva Bender, Sozialdezernentin der Stadt Langenhagen.
In der Sporthalle werden 40 Geflüchtete aufgenommen, im Dorfgemeinschaftshaus Godshorn leben jetzt zumindest vorübergehend 20 Geflüchtete. Diese Lösung ist, nach Möglichkeit, für die kurzfristige Unterbringung der Neuankommenden gedacht. „Ziel ist es, den Geflüchteten so schnell wie möglich, in feste Unterkünfte oder Wohnungen unterzubringen. Daran arbeiten wir momentan auf Hochtouren“, ergänzt Doris Lange, Leiterin der Abteilung Soziales. „Daher bitten wir alle, die freien Zimmer oder freie Wohnungen anbieten können, um Unterstützung.“ Bis jetzt sind 60 Gemeinschaftsplätze geschaffen worden, weitere 30 kommen noch an der Leibnizstraße in der ehemaligen "Blauen Schule" und auch das ehemalige Impfzentrum am Fuhrenkamp mit 30 wird geprüft. Angemietet werden sechs Wohnungen, acht weitere folgen. Insgesamt 84 zusätzliche Plätze. "In den nächsten beiden Wochen werden wir Wohnraum für 200 Ukrainer haben", kündigt Eva Bender an.
Die Geflüchteten werden von der städtischen Asyl- und Flüchtlingsbetreuung betreut und begleitet. Angebote von Wohnungen oder Zimmern für Geflüchtete können per Mail bei Doris Lange unter der Adresse AbtlSoziales@langenhagen.de gemeldet werden.
Auch Unterstützung in Form von medizinischen Sachspenden sind im Moment sehr willkommen. „Uns haben Spenden in Form von Masken und Tests für die Menschen die ankommen erreicht. Dies ist sehr hilfreich und eine gute Möglichkeit die Ankommenden zu unterstützen“, ergänzt Doris Lange, Leiterin der Sozialabteilung weiter. „Sollten Sie in dieser Form spenden wollen, freuen wir uns über eine Mail an AbtlSoziales@langenhagen.de.“ Die Geflüchteten bekommen eine Erstausstattung und Verpflegung, wenn es keine Küche gibt, darüber hinaus Einkaufsgutscheine. Weitere Gemeinschaftsunterkünfte wie Schulen oder Dorffemeinschaftshäuser werden aber erst einmal nicht in Betracht gezogen. Ein Bürgertelefon für Fragen ist unter der Rufnummer  (0800) 7307000 montags bis donnerstags von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr sowie freitags, sonnabends und sonntags von 9 bis 12 Uhr geschaltet. Auf der Internetseite der Stadt ist auch extra eine Themenseite "Ukraine" mit Informationen angelegt worden.
Einen eigenen Langenhagener Weg geht die Stadtverwaltung, was Ankommensklassen oder Willkommensgruppen angeht. Eva Bender macht keinen Hehl daraus, dass sie den Kurs der Landesregierung, keine Sprachlernklassen einzurichten, für falsch hält. "Das ist jetzt notwendiger denn je", sagt die Sozialdezernentin. Etwa bis zu 16 Kinder sollen in diesen Willkommensgruppen aufgenommen werden, die parallel zu den Stammklassen laufen könnten. Die Organisation sei aber den einzelnen Schulen überlassen, das Gymnasium habe schon Kinder aus der Ukraine aufgenommen. Pensionierte Lehrer und pädagogische Mitarbeiter mit Sprachkenntnissen werden gesucht.
Was Krippen und Kitas betrifft, so soll die Gruppengröße um jeweils eins erhöht werden. Bislang liegt sie bei 20 Mädchen und Jungen in der Kita sowie 15 in der Krippe. Zwei Gruppen in der Art eines Spielkreises seien schon auf den Weg gebracht worden.
In Sachen Corona-Schutzimpfung sind mobile Impfteams unterwegs, in die Unterkünfte werden Masken und Selbsttests gebracht. Aber nicht nur Corona ist beim Impfen ein Thema, in Ukraine gibt es beispielsweise keine Pflicht für einen Piks gegen Masern.
Großes Lob gab es aus den Reihen der Politik über das Engagement der Stadtverwaltung. Und alle waren sich auch einig, dass Ukrainer und Russen in der Stadt bei diesem Konflikt, der einzig und allein dem russischen Präsdenten Wadimir Putin zuzuschreiben sei, gegeneinander auszuspielen. Zurzeit leben 123 Menschen aus der Ukraine in der Flughafenstadt, 200 aus der russischen Föderation.
Einstimmig hat der Rat der Stadt Langenhagen einen Dringichkeitsantrag auf den Weg gebracht, der im Wesentlichen zwei große Punkte beinhaltet. Als so genannter "Sicherer Hafen" nimmt die Stadt Langenhagen mehr Geflüchtete auf als vorgeschrieben, das soll auf die Ukraine ausgedehnt werden.Und: Die Ratsmitglieder, Bürger und Firmen sollen helfende Organisationen und Instituttionen unterstützen. Der Anttrag verweist dabei auf den Langenhagener Fonds „Langenhagener helfen Langenhagenern“  sowie auf die auf der städtischen Interseite genannten Organisationen:
Ukrainischer Verein in Niedersachsen, Aktion Deutschland hilft, Diakonie Katastrophenhilfe und SOS - Kinderdörfer.