Ein Szenario, das keiner von uns kennt

Es ist nicht mehr viel los: gähnende Leere in den Gängen des CCL. (Foto: O. Krebs)
 
Spezielle Wände am Tresen sollen die Mitarbeiter schützen. (Foto: O. Krebs)

Corona-Virus: Die Situation wird für viele Händler immer bedrohlicher

Langenhagen (ok). Es ist eine gespenstische Situation: Wo sonst oft das pralle Leben tobt, ist es ruhig, vereinzelt laufen die Kunden durchs CCL. Viele Tische und Sitzgelegenheit bleiben leer, die Menschen geht oft auf Distanz zueinander, so wie auch die Empfehlung lautet. Corona hat auch das Langenhagener Einkaufszentrum voll im Griff, fast zwei Drittel der Fachgeschäfte haben mittlerweile geschlossen. Wie lange, kann keiner genau sagen. Je länger die Krise andauert, desto existenzieller kann die Bedrohung für die einzelnen Firmeninhaber sein. Doch niemand kann sagen, wann das normale Leben im City Center wieder Einzug hält. Die meisten – Ältere sowie Jüngere – erledigen nur schnell ihre Einkäufe und dann ab nach Hause. Den Abstand zueinander – möglichst zwei Meter – halten aber viele nicht ein. Und einige lassen in diesen Zeiten, wo Solidariät und Zusammenhalt das Gebot der Stunde sind, Rücksichtnahme vermissen. Und dabei steht es deutlich an den geöffneten Eingängen des Einkaufszentrums: „Meiden Sie größere Gruppen von Menschen. Vermeiden Sie körperlichen Kontakt zu Personen, die Ihnen nicht bekannt sind.“ Aber es ist merklich leerer im CCL und auf den Parkdecks. Genau wie übrigens im „Bauch Langenhagens“, der Markthalle. Sie kann aber zwischen 6 und 18 Uhr geöffnet bleiben, weil sie als Institution gilt, die die Lebensmittelversorgung sicherstellt. Natürlich mit den geltenden Auflagen für die Abstände zwischen Tischen und Stühlen. Zurück ins CCL, wo noch rund 40 Mieter von mehr als 100 geöffnet haben. Alle Bekleidungs- und Schuhgeschäfte sind betroffen, Reisebüros und Geschäfte mit Bastel- und Dekomaterial. Geöffnet hat die Eisdiele im Bestandsteil, aber zumindest die Tische im Gang sind weit auseinandergezogen. Friseure haben noch geöffnet, Fielmann für Notfälle und bei Rossmann soll ein Paketband die Kunden an den Mindestabstand erinnern. Maßnahmen, die vielen surreal erscheinen, und die so wohl noch kaum jemand miterlebt hat. Geöffnet hat der REWE, und die Kassiererinnen leisten Schwerstarbeit und setzen sich für die Gesellschaft ein. Rücksicht verspüren sie in der Ausnahmesituation aber auch nicht immer. Von der Erlaubnis, sonntags zu öffnen, machen viele Lebensmittelgeschäfte allerdings nicht Gebrauch; die Mitarbeiter erreichten so schon die Belastungsgrenze.
Ähnlich sieht es in den Langenhagener Apotheken aus, von den Angestellten auch schon das Wasser bis „Oberkante Unterlippe“ steht. Für Apotheker Carsten Lambrich, Inhaber der City Apotheke im CCL, steht beispielsweise der Mitarbeiterschutz im Vordergrund; er hat für die Tresen Schutzwände aus Acrylglas bestellt, die einfach zu reinigen sind, ein Personenleitsystem installiert und einen Hygieneplan aufgestellt. Im Labor stellt er selbst Desinfektionsmittel her. Und Lambrich appelliert an seine Kunden, im Moment von nicht lebensnotwendigen Käufen abzusehen. „Das ist keine zusätzliche Urlaubs- oder Ferienfreizeit. Wir befinden uns in einer Notlage.“
Wie es weitergeht, kann keiner sagen. Nur: Sollten sich viele Mitmenschen weiterhin unvernünftig verhalten und die sozialen Kontakte nicht reduzieren, werden die Maßnahmen wohl noch drastischer werden, die Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt.