"Ein Wahnsinn aus ökologischer Sicht"

Sprach sich für Starts und Landungen in der Nacht aus: Hermann Lindner.

TuiFly-Chef wirbt bei Pro Hannover Airport für 24-Stunden-Betrieb

​Langenhagen. Eine überproportional gute Entwicklung erwartet Flughafen-Chef Raoul Hille für dieses Jahr: „Bis zum Jahresende werden wir 6,3 Millionen Passagiere gezählt haben“, sagte er am Freitagabend bei der Jahresversammlung von Pro Hannover Airport. Seinen Angaben zufolge wächst das Unternehmensergebnis um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seinerzeit verzeichnete der Airport in Langenhagen nach Aussage von Stefanie Vehling, Bereichsleiterin Umfeld/Umwelt/Gremien, insgesamt 75.256 Flugbewegungen im zivilen Verkehr und 332 militärische Flugbewegungen. 14.026 Start und Landungen entfielen damals auf die Nachtstunden, etwa 10.600 Flüge betrafen den touristischen Verkehr. Der Flughafen habe von einer bundesweit langen Ferienzeit profitiert; die Sommerferien in Niedersachsen und Nordrhein-Westfallen hätten sich nur kurz überlappt.
Aber: „Die Verspätungssituation war ausgesprochen ärgerlich für alle“, sagte Hille auch. Sie habe sich unter anderem ergeben, weil die Flugsicherung von einem sehr konservativem Wachstum beim Personal ausgegangen sei – mit der Folge, dass die Flugsicherung nun unterbesetzt sei. „Da sehe ich kurzfristig keine Lösung“, sagte Hille. Ein weiterer Grund für Verspätungen seien in diesem Sommer die Gewitter in Süddeutschland gewesen: „Mitunter konnten die Flieger dann nicht mehr dort landen, so dass sie wegen unserer 24-Stunden-Betriebsgenehmigung zu uns ausgewichen sind.“ Denn, betonten Hille und Vehling am Rande der Veranstaltung, diese bestehe weiterhin, auch wenn im Jahr 2020 die Überprüfung anstehe.
 „Wer einen Linienflug zumeist im Inland bucht, kann auf andere Verkehrsmittel ausweichen, das geht bei Urlaubern im Mittelmeer einfach nicht“, sagte Hermann Lindner von TuiFly. . Deshalb benötigten die Airlines die Chance, auch nachts starten und landen zu können. „Aus ökologischer Sicht ist es Wahnsinn, dass der Flughafen in München einen Flieger abweist, der eine halbe Stunde nach der Nachtflugregelung ankommt, denn er verursacht damit an einem anderen Ort zwei zusätzliche Flugbewegungen“, sagte er. Hinzu komme die Belastung für die Passagiere.
Er warb in seinem Vortrag für den weiteren 24-Stunden-Betrieb, damit sich TuiFly im internationalen Wettbewerb behaupten könne: „Bei weiteren Regulierungen entzieht die Politik uns und anderen Airlines das Geld für notwendige Investitionen wie die Boeing 737 Max 8, die 40 Prozent leiser ist.“ Aus seiner Sicht liegt darin die Chance, die Interessen der Wirtschaft und die Wünsche der Anlieger nach mehr Ruhe in Einklang zu bringen. Das wiederum, sagte Hille, gelinge nur, wenn die bestehenden Siedlungsbeschränkungen erhalten blieben. „Leisere Maschinen dürfen nicht dazu führen, dass weitere Baugebiete in den Einflugschneisen entstehen.“
Vehling sprach sich für einen sachlichen Dialog mit den Nachtflug-Gegnern aus, die sich regionsweit in der Initiative Bürger ohne Nachtflug – Hannover-Airport (BON-HA) zusammengeschlossen haben. „Viele Menschen nehmen uns als guten Nachbarn wahr“, sagte sie.