Eine „Einhorn-Stelle“ für Engelbostel

Merlin Langrehr (Mitte) mit Pastor Rainer Müller-Jödicke und Kirchenvorsteherin Jutta Köster vor der Engelbosteler Kirche. (Foto: A. Hesse)

Rückenwind für die religionspädagogische Strategie der Martinsgemeinde

Engelbostel. Merlin Langrehr hat das, was er selbst eine „Einhorn-Stelle“ nennt: „So etwas gibt es eigentlich gar nicht“, sagt er dazu. Gibt es in diesem Fall aber doch: Der junge Diakon hat kürzlich in der Martinskirchengemeinde Engelbostel-Schulenburg eine volle Stelle in der Jugendarbeit angetreten und kann darauf bauen, dass er in den kommenden fünf Jahren hier tätig sein kann. Diakoninnen und Diakone, also studierte Religions- und Sozialpädagoginnen und -pädagogen, arbeiten häufig auf Stellen, deren Zuschnitt nicht optimal ist: Sie teilen ihre Arbeitszeit auf verschiedene Kirchengemeinden oder kirchliche Einrichtungen auf und haben zudem zeitlich eng befristete Verträge. Vor diesem Hintergrund ist die Diakonenstelle in Engelbostel für Merlin Langrehr ein Glücksfall: „Wäre diese Stelle hier nur in Teilzeit oder für zwei Jahre ausgeschrieben worden, wäre sie für mich deutlich weniger attraktiv gewesen“, erzählt er beim Gespräch im spätsommerlichen Pfarrgarten an der Kirchstraße. Umgekehrt ist Langrehr, der bis zum Lockdown als Diakon in Seelze arbeitete, auch für die Martinsgemeinde ein Glücksfall: „Er ist die perfekte Besetzung für diese Stelle – er passt einfach zu uns“, sagt Kirchenvorsteherin Jutta Köster. Über persönliche Kontakte „entdeckte“ sie den jungen Diakon vor einigen Monaten im Nachbarort Heitlingen, wo er mit seiner Familie lebt. Langrehr bewarb sich daraufhin auf die Stellenausschreibung und setzte sich im Auswahlverfahren gegen vier weitere Bewerber*innen durch. Um einen gut ausgebildeten Diakon mit Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit für die Martinskirchengemeinde gewinnen zu können, hatten Pastor Rainer Müller-Jödicke und die Mitglieder des
Kirchenvorstandes jede Menge Hebel in Bewegung gesetzt. Mit ihrem Konzept für eine ins Dorfleben integrierte religionspädagogische Strategie überzeugten sie zunächst die Verantwortlichen des landeskirchlichen Fonds „Missionarische Chancen“, anschließend auch die Heinrich-Dammann-Stiftung in Hildesheim – beide Einrichtungen finanzieren nun einen größeren Stellenanteil über fünf Jahre. Weitere Anträge auf finanzielle Förderung wurden an die Lotto-Stiftung und die Stadt Langenhagen gestellt; mit im Boot sind außerdem der Verein edelKreis Burgwedel-Langenhagen und das Bildungsreferat im Landeskirchenamt. „Wir sind wirklich glücklich darüber, dass das so geklappt hat“, sagt Pastor Müller-Jödicke. Er und der Kirchenvorstand können sich darüber hinaus auch auf ihre Gemeinde verlassen: Seit Jahren schon wird ein erheblicher Anteil der Diakonenstelle aus Spenden finanziert. Merlin Langrehr freut sich jetzt einfach darauf, in die Arbeit in Engelbostel und Schulenburg einzusteigen: „Die Jugendlichen hier sind hochmotiviert und im Ort gibt es eine starke Jugendgruppentradition“, hat er bereits festgestellt. In dem begrenzten Rahmen, den die Corona-Pandemie zur Zeit setzt, möchte er für Jugendliche im Ort einen Raum bieten, der Möglichkeiten zum Treffen, für gemeinsame Aktivitäten und geistliche Impulse bietet. Was vor Ort gebraucht wird, kann der Diakon gut einschätzen: „Ich war selbst immer Dorfkind und bin in der Evangelischen Jugend groß geworden“, erzählt er. „Dorfkind“ klingt bei ihm wie ein Privileg: „Das Leben im Dorf ist so schön, ich möchte das nie für einen Umzug in die Stadt aufgeben.“In den kommenden fünf Jahren wird Langrehr in der Konfirmand*innenarbeit und der Begleitung von Jugendgruppen aktiv werden; außerdem plant er, sobald dies wieder möglich ist, AG-Angebote im Ganztagsbereich der Grundschule Engelbostel. Angedacht sind auch ein Schöpfungsprojekt für die ersten und die AG „Martinskids“ für die dritten Klassen, darüber hinaus ein Sommermusical zu einer biblischen Geschichte in Zusammenarbeit mit der Musiklehrerin der Schule. Geplant sind auch eine Herbstferienbetreuung, vielleicht in Form einer Kinderbibelwoche, und ein Jugendangebot im Schulenburger Dorfgemeinschaftshaus – Merlin Langrehr blickt voller Vorfreude auf die Vielfalt an Aufgaben, die vor ihm liegen.