Eine Konfliktkultur mit Nachhaltigkeit

Einfach zum Kuscheln: Die Kita-Kinder haben die Giraffe in ihr Herz geschlossen.

Team der Kita Kielenkamp strebt mit einjähriger Fortbildung neues Zertifikat an

Godshorn (ok). Eine „Konfliktkultur“ muss von unten aufgebaut werden und auf Nachhaltigkeit angelegt sein. „Kinder müssen früh lernen, selbstbewusst für sich zu sprechen und Rückgrat zu zeigen“, sagt Renate Grätz, Leiterin der Kita Kielenkamp. Die Mädchen und Jungen könnten dann als Mediatoren in ihren Familien auftreten. Ihr Team arbeitet seit Juni mit der „Sozialen Praxis für Beratung, Schulung und Therapie (Sopra)“ verschärft daran, ein Zertifikat in Sachen „gewaltfreier Kommunikation“ zu erwerben. Mit im Boot ist das Bildungswerk ver.di. Im Mittelpunkt steht der Ansatz, den Dialog statt die Auseinandersetzung zu suchen, auch auf verbaler Ebene. Vorwürfe, Kritik und auch Bewertungen seien nicht hilfreich, wenn es um Konflikte gehe. Schuldzuweisungen seien bei der Suche nach Lösungen fehl am Platze. Renate Grätz: „Wir müssen den Kindern deutlich machen, dass das zum Leben gehört.“ Soziales Lernen sei eben auch lebenslanges Lernen; den Kindern müsse auch ein Stück Eigenverantwortung zugetraut werden. Im nächsten Schritt sollen die Eltern in so genannten Trainings mit auf die Reise genommen werden.
Die Giraffe spielt bei der Vermittlung der Gewaltfreiheit eine große Rolle: Die Kinder von der Krippe bis zum Hort hatten das „Tier mit dem größten Herzen“ gleich in ihr Herz geschlossen, waren richtig traurig, als Freund und Mutter in einer fiktiven Geschichte nicht mehr da waren, fanden sie aber glücklicherweise gleich im Zoo oder Rathaus wieder und feierten ein großes Fest. Während die Kleineren in der Krippe die Giraffe aus Stoff liebevoll versorgten, lernten die Kindergartenkinder auch die Größeren aus dem Hort viel darüber, wie sie ihre Gefühle ausdrücken können und den sozialen Umgang miteinander, der sich auch über Empathie ausdrücken lässt. Da existiert zum Beispiel die Angst des Jungen aus der Kita mit einem Gleichaltrigen zu spielen, weil dieser so schnell wütend wird. Eine große Herausforderung auf diesem Feld sehen die Erzieherinnen und Erzieher auch in Sachen Inklusion. „Standards für Erziehung und Bildung, die bis ins Alter von Schulkindern hineinragen, würden Konflikte und Streitigkeiten reduzieren“, sind sich die Experten einig.