"Eine Person der Zeitgeschichte"

Ein prominentes Quartett (von links): Hans-Heinrich Lange, Ernst Müller, Klaus Rosenzweig und Friedhelm Fischer. Foto: K.Raap

Stadtarchiv: Ausstellung über Ernst Müllers Wirken

Langenhagen (kr). "Der große Andrang am heutigen Tag zeigt, wie interessant die Aufarbeitung der Materialien über die Lebensgeschichte von unserem Ernst Müller doch ist." Das betonte Langenhagens Bürgermeister Friedhelm Fischer bei der Eröffnung der Ausstellung "Orchesterleiter, Dirigent, Komponist und Langenhagener" im Gebäude des Stadtarchivs. "Die Ausstellung zeigt auf", so Fischer, "dass unser Archiv nicht nur seiner kommunalen Pflichtaufgabe und dem gesetzlichen Auftrag nachkommt, Rechtssicherheit zu wahren." Unter anderem durch das Auswerten von Zeitungsberichten sei auch die erfreulich vielfältige Langenhagener Musikwelt erfasst und damit auch einiges über das jahrzehntelange Wirken von Ernst Müller archiviert. "Doch dieses Material hätte", unterstrich der Bürgermeister, " für eine umfangreiche Würdigung Müllers, der vor 55 Jahren zum ersten Mal dirigierte, verschiedene Orchester leitete, 41 Tonträger veröffentlichte und über 50 Konzertreisen ins Ausland durchführte und dabei als wichtiger musikalischer Botschafter und Werbeträger unserer Stadt auftrat in Form einer Ausstellung längst nicht gereicht." Ernst Müller sei national und international anerkannt und ganz gewiss eine Person der Zeitgeschichte. So enstand die interessante Idee von Heike Brück-Winkelmann, der Leiterin des Archivs und Annette v. Stieglitz, Chefin der Volkshochschule, Ernst Müller zu bitten, sein eigenes Archiv der Stadt zu überantworten, wozu der Musikdrektor sofort sein Einverständnis gab. Die Ausstellung, die jetzt zu sehen ist, zeigte eine große Bandbreite: Fotos wichtiger Konzerte und Auslandstourneen, Begegnungen mit großen Persönlichkeiten, Partituren eigener Kompositionen, Orden, Auszeichnungen und vieles mehr. "Im Rathaus war er mein Knecht, auf der Bühne war ich sein Knecht", charakterisierte der ehemalige Stadtdirektor Klaus Rosenzweig bei seiner Ansprache sein ganz besonderes Verhältnis zu Ernst Müller. Zwölf Jahre war er in der Verwaltung der Chef des Dirigenten, gleichzeitig fungierte er als akribischer Moderator vieler Konzerte. "Daraus entwickelte sich", so Rosenzweig, "eine gute, dauerhafte Freundschaft." Klaus Rosenzweig hob von den vielen Reisen Müllers dieTourneen zu den Steubenparaden, den Auftritt auf dem Roten Platz in Moskau als erstes deutsches Orchester nach dem Weltkrieg, die vielen Besuche Brasiliens und die "Hochwasserreise" durch Vietnam hervor. Ernst Müller habe mit seiner Musik auch viel für die städtepartnerschaftlichen Verbindungen zu Glogow und Novo Mesto getan. Und der ehemalige Stadtdirektor erinnerte auch an bedeutende menschliche Begegnungen des Musikers: "Da war sein hohes Ansehen bei Politikern wie Karl Carstens, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Egon Franke und Annemarie Renger sowie die Zusammentreffen mit Hoheiten wie Königin Sophia von Spanien, Konstantin von Griechenland, dem König von Lesotho und Prinz Ernst August von Hannover, übrigens ein sehr netter Zeitgenosse." Mit Hans-Heinrich Lange meldete sich ein weiterer ehemaliger Stadtdirektor zu Wort. Gerne erinnert er sich noch an das erste große gemeinsame Schützenfest im Jahr 1963, als er die Festansprache hielt, "und der noch fast jugendliche Ernst Müller als Dirigent mit des Blasorchester der Stadt ein ganz tolles Konzert hinlegte." Eine Veranstaltung Ernst Müllers habe er selten verpasst.
Die Ausstellung im Stadtarchiv, Rohdehof 20, ist noch bis zum 30. November, montags bis donnerstags von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Sondervereinbarungen sind unter der Telefonnummer (0511) 7307 9241 möglich..