Eine reife Lebensleistung

Aus der Hand des Ratsvorsitzenden Wolfgang Kuschel (rechts) nimmt Lothar Schuldt die Ehrenbürgerurkunde entgegen.Foto: D. Lange

Lothar Schuldt ist 14. Langenhagener Ehrenbürger

Langenhagen (dl). Mit der feierlichen Verleihung der Ehrenbürgerurkunde aus der Hand des Ratsvorsitzenden Wolfgang Kuschel – der höchsten und noch dazu äußerst selten verliehenen Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat, wurde Lothar Schuldt im Rathaus für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Entscheidung, Schuldt zum 14. Ehrenbürger der Stadt zu küren, ging auf eine Initiative des FDP- Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt, Bernd Speich, zurück und wurde von allen vier Fraktionen im Stadtrat einstimmig angenommen. Zu Recht, denn wenn der Begriff "Lebenswerk" einmal an seiner wahre Bedeutung gemessen wird, dann sicherlich hier. Alle seine beruflichen und vor allem ehrenamtlichen Tätigkeiten aufzuzählen, ist aus Platzgründen wohl nicht möglich. Nur so viel: Seine traumatischen Kriegserlebnisse und die schwere Verwundung noch am Ende des Zweiten Weltkriegs waren sicherlich eine der Triebfedern seines Handelns und sozialen Engagements. Neben der hauptamtlichen Arbeit im Reichsbund und heutigem Sozialverband Deutschland (SovD), der die Interessen der Kriegsopfer, Hinterbliebenen, pflegebedürftigen und behinderten Menschen vertritt, war Schuldt seit 1958, seit seinem Umzug von Stade nach Langenhagen, Sozialberater des Reichsbunds im Ortsverband Langenhagen. Wenig später wurde er dessen 1.Vorsitzender, später dann 2.Vorsitzender im Kreisverband, 2. Vorsitzender im Landesvorstand, Mitglied im Bundesvorstand, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, Arbeits- und Sozialrichter. Darüber hinaus war er 23 Jahre Ratsmitglied im Langenhagener Stadtrat, wo er sich für Kindergärten, Spielplätze und den sozialen Wohnungsbau einsetzte. Waltraud Krückeberg, die langjährige Bürgermeisterin Langenhagens, erhielt im Jahr 2001 die Ehrenbürgerwürde, und sie erinnert sich an seine akustische Präsenz im Rat. „Mit seiner kräftigen Stimme brauchte er kein Mikrofon, um sich durchzusetzen und Zwischenrufer hatten keine Chance, ihn zu unterbrechen." Ganz so, als fürchtete er, dass ihm dennoch etwas fehlen würde, engagierte er sich noch im Bezirks- und Landesvorstand des Behindertensports, war 2.Vorsitzender der Behindertensportgemeinschaft und fand außerdem noch Zeit für ein Engagement im Gemeindebeirat der Emmauskirche und im Elternrat der Friedrich-Ebert-Schule. Diese Fülle von Ämtern reicht eigentlich für zwei Leben und war auch nur möglich mit der Unterstützung seiner ganzen Familie. Lothar Schuldts soziales Engagement belastete zuweilen halt auch das Familienleben und forderte von allen Beteiligten sehr viel Toleranz. "So hing dann auch nicht nur einmal der Haussegen ziemlich schief, wenn der Vater mal wieder in einem seiner vielen Ämter unterwegs war und für die Familie keine Zeit hatte", erinnert sich seine Ehefrau Johanna Schuldt. Dennoch hat die Familie zusammengehalten und trägt das soziale Engagement des Vaters weiter. Die Söhne als Lehrer und die Tochter als 2. Vorsitzende im SovD. So beindruckend lang wie die Liste der Ehrenämter von Lothar Schuldt ist die seiner Auszeichnungen: Das Bundesverdienstkreuz am Bande und Erster Klasse, die silberne und goldene Ehrennadel der Stadt Langenhagen und nicht zuletzt der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Angesichts seiner beeindruckenden Vita ist es für Schuldt nur folgerichtig, die Verleihung des Ehrenbürgerrechts nicht nur als eine Würdigung seiner eigenen Arbeit zu betrachten, sondern sie – stellvertretend für alle, die ehrenamtlich tätig sind – als eine Anerkennung für ehrenamtliche Arbeit als Ganzes anzusehen.