Einfach mal den Kopf abschalten

Caren Marks und Kerstin Tack informierten sich über die Abläufe beim Projekt Gartenarbeit.Foto: O. Krebs

Verein beta 89 will psychische Erkrankte in Arbeitsalltag integrieren

Langenhagen (ok). Ohne feste Aufgabe und Tagesstruktur durchs Leben zu gehen ist für die meisten Mitmenschen nichts. Jeder möchte in irgendeiner Art und Weise am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Das gilt natürlich auch für Frauen und Männer mit psychischen Problemen, die nicht voll erwerbstätig sind, oft einen Einstieg über drei bis fünf Stunden tägliche Arbeit suchen. Michael Sandau, Vorsitzender des Vereins beta 89: "Wir wollen auf keinen Fall Reha-Druck aufbauen." Seit sechs oder sieben Jahren kooperiert der Verein mit der psychiatrischen Klinik im Eichenpark, das Projekt TaB heißt ausgeschrieben "Tagesstrukturierung durch Betätigung". Psychisch Erkrankte sollen an wieder an Regelmäßigkeit gewöhnt werden. Für die Bundestagsabgeordnete Caren Marks, die sich zusammen mit ihrer Bundestagskolegin Kerstin Tack aus Hannover bei beta 89 und über die verschiedenen Projekte Informiert hat, ein gelungener Ansatz von Integration und Inklusion in mehrfacher Hinsicht. Zeitlicher Druck passt aber nicht ins Konzept von beta 89 – erst kommen die Menschen, dann die Arbeitsbelastung, die dazu passt. "Wir agieren so zu sagen just in time", sagt Michael Sandau. Zu den Aufgaben gehört zum Beispiel auch Gartenarbeit oder etwa die Betreuung des Kiosk "In den Heestern" in den Sommermonaten. Es sei ein gutes Gefühl, einfach mal den Kopf abzuschalten. Man sehe eben, was man geschafft habe. Der Verein agiert quasi wie ein Wirtschafsunternehmen, die Finanzierung erfolgt über den Kooperationsvertrag mit der Klinik. Gezahlt wird eine Aufwandsentschädigung von vier Euro pro Stunde, und das ganze Projekt wird auch sozialpädagogisch begleitet. In Deutschland gibt es etwa 800 so genannte Integrationsbetriebe mit rund 23.000 Beschäftigten, 10.000 davon schwerbehindert. Sie haben nach Einschätzung der beiden Bundespolitikerinnen Kerstin Tack und Caren Marks ein Recht auf Beteiligung und Wertschätzung sowie Leistungsanspruch, unabhängig vom jeweiligen Vermögen. Ziel sei eben nicht unbedingt der erste Arbeitsmarkt, sondern vor allen Dingen eine Regelfinanzierung. Wichtig sei es eben auch, die Menschen außerhalb der Werkstätten zu integrieren. Auch, wenn es zunächst einmal nur über Minijobs der Fall sei. Ein positives Beispiel ist das Unternehmen "Chocolats de luxe" in Hainholz, wo ein beta-Mitarbeiter tätig ist. Und: "Wir wollen keine Konkurrenz zu anderen sozialen Randgruppen sein", sagt beta-Geschäftsführer Martin Schorse, der sich oft mit überzogenem Anspruchsdenken auseinandersetzen muss. Ein Bügelservice musste deshalb eingestellt werden. In erster Linie geht es bei allem aber um psychische Stabilität.