Einfach mal zuhören

Pastorin Sabine Behrens nahm sich auf dem Marktplatz Zeit zum Zuhören. Wolfgang Holz sprach mit ihr. (Foto: A. Hesse)

Aktion von Kirchengemeinde und Lebensberatungsstelle

Langenhagen. Jede erlebte Geschichte ist es wert, gehört zu werden – davon sind Sabine Behrens, Pastorin in der Langenhagener Emmaus-Kirchengemeinde, und Bernd Buchholz von der evangelischen Lebensberatungsstelle in Langenhagen überzeugt. „Sehr oft aber bleiben diese Geschichten unerzählt und ungehört, oder aber sie werden mit Abwehr aufgenommen: ‚Das ist ja unerhört!‘, heißt es dann“, sagt die Pastorin. Überzeugend findet sie vor diesem Hintergrund die aktuelle Kampagne „Unerhört! #zuhören“ der Diakonie in Deutschland, der sich auch der Diakonieverband Hannover-Land angeschlossen hat. Gemeinsam mit dem Team der Lebensberatungsstelle, die im Langenhagener Stadtteil Wiesenau in direkter Nachbarschaft zur Emmaus-Kirche einen Standort hat, entwickelte Behrens für die Woche der Diakonie ein Programm, das das Zuhören würdigt: analog und direkt, ohne Einschränkung der Themen und ohne Kommentierung.

Drei Kirchenbänke standen am Dienstag, dem traditionellen Markttag in Langenhagen, in zweiter Reihe hinter den Obst- und Gemüseständen. Drei Menschen saßen darauf, neben ihnen ist noch Platz: Pastorin Sabine Behrens, Bürgermeister Mirko Heuer und Birgit Baumann, Mitarbeiterin der Lebensberatungsstelle. Zwischen den Marktständen wiesen Bernd Buchholz und Miriam Temme auf die Kirchenbänke hin und hielten Postkarten mit einer Einladung zum Platznehmen bereit.

Hedwig Kuhl, eine ältere Langenhagenerin, die ihre Einkäufe auf dem Markt erledigt hat, setzte sich als erste – sie wählt den Platz nehmen Mirko Heuer. Aufmerksam hört der Bürgermeister zu, macht sich ein paar Notizen, nickt zustimmend, fragt nach. Hedwig Kuhl hat ein ganz konkretes Anliegen: Zwei Ampeln und deren kurze Grünphase für Passanten machen es ihr schwer, zum nächsten Lebensmittelmarkt zu gelangen. „Alte Leute können einfach nicht mehr so schnell laufen“, sagt sie. Abhilfe verspricht der Bürgermeister an diesem Tag nicht, aber alle, die neben ihm Platz nehmen, können sicher sein, dass er gut zuhört.

Birgit Baumann und Sabine Behrens hören etwas andere Geschichten: von Krankheit und Durchhaltewillen, von fehlendem Gemeinsinn, von Erlebnissen mit der Familie und in der Stadt. Auch sie hören genau hin, fragen nach und behalten das Gehörte im Kopf. Am nächsten Sonntag wollen sie in der Emmaus-Kirche von dem Gehörten berichten und es im Gottesdienst thematisieren. Dann werden auch Vertreterinnen der Polizei, des Seniorenbeirates und der Wohnungsbaugesellschaft KSG von dem berichten, was ihnen zu Ohren gekommen ist: Die drei Kirchenbänke vom Marktplatz wurden in der Woche der Diakonie ein zweites Mal auf einem Spielplatz in Wiesenau aufgebaut.