Elternwille als bester Beweis für Qualität der Arbeit

Sie prägten die IGS Langenhagen in fünf Jahrzehnten auf unterschiedliche Art und Weise: die drei Schulleiter Dieter Galas, lange Zeit auch GEW-Vorsitzender in Niedersachsen, Timo Heiken und Wolfgang Kuschel. (Foto: O. Krebs)
 
Hob die Qualität der Gesamtschulen im Land hervor: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. (Foto: O. Krebs)

50 Jahre Gesamtschulen in Niedersachsen: zentraler Festakt in Langenhagen

Langenhagen (ok). Sieben waren es vor 50 Jahren, heute sind es 97.Und zu diesen Integrierten Gesamtschulen kommen noch 36 Kooperative Gesamtschulen. Eine Schulform, die vor 50 Jahren in Niedersachsen ins Leben gerufen worden und nach vielem Hin und Her nicht mehr aus der Schullandschaft wegzudenken ist. Das sah lange nicht so aus, wie Ministerpräsident beim zentralen Festakt in der IGS Langenhagen die wechselvollen vergangenen fünf Jahrzehnte skizzierte. Schulversuch zu Beginn, reguläre Schulform, Schulangebot für Sekundarstufe über Gründungsverbot bis zum heutigen Status Quo der ersetzenden Schulform. Eine Schulform, die für Langenhagens Gesamtschuldirektor Timo Heiken nicht mehr aus der Schullandschaft Niedersachsens wegzudenken ist. "Wir betreiben Inklusion statt Selektion", so Heiken, der nach seinen Vorgängern Dieter Galas und Wolfgang Kuschel erst der dritte Schulleiter in 50 Jahren ist. Galas war zudem noch viele Jahre Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und hat an dieser Front für die Interessen der Gesamtschulen gekämpft. Die heutige Vorsitzende Laura Pooth verdeutlichte, dass Gesamtschulen aus ihrer Sicht für Chancen zur Bildung unabhängig von Herkunft und Geldbeutel der Eltern stünden. Mehr Chancengleichheit bedeute auch mehr Demokratie. Laura Pooth: "Wir müssen Bildung wagen." Aus Sicht von Andreas Meisner, Vorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG), und Isabel Rojas von der Fachgruppe Gesamtschulen der GEW waren die Gesamtschulen von Anbeginn an mehr als eine Lehrstätte. Schon der Deutsche Bildungsrat habe 1968 darauf hingewiesen, dass das dreigliedrige Schulsystem nicht zielführend sei. Die Gesamtschule sei keine ersetzende, sondern eine gleichberechtigte Schulform, das Zwei-Säulen-Modell in der Schullandschaft könne so nicht funktionieren. Meisner: "Das Gymnasium braucht die Gesamtschule, die Gesamtschule aber nicht das Gymnasium."
Das sieht Ministerpräsident als Landesvater nicht so, für ihn gibt es keinen Grundsatzkonflikt zwischen den Schulformen, eher eine friedliche Koexistenz. Die Gesamtschulen hätten einen großen Anteil im Schulsystem, der Elternwille sei für ihn der beste Beweis für die Qualität der Arbeit. Sie werde aber auch durch insgesamt fünf Deutsche Schulpreise dokumentiert. Stephan Weil: "Ein besonderes Qualitätssiegel ist auch die Innovationsfähigkeit, die die Gesamtschulen besonders im Lockdown unter Beweis gestellt haben." Und weiter: "Gesamtschulen müssten wir heute erfinden, wenn wir sie nicht schon hätten." Die Schüler setzten sich fürs Gemeinwesen ein, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz habe bei seinem Besuch vor einigen Monaten festgestellt, dass er solch diskussionsfreudige Jugendliche noch nicht erlebt habe. Rainer Lohse, einer der Lehrer der ersten Stunde, kann bestätigen, dass Kritikfähigkeit und Eigenständigkeit in der IGS ganz oben stünden. Er identifiziere sich immer noch mit "seiner" Schule, die auch seine drei Kinder bis zum Abitur besucht hätten.
Außer der IGS in Langenhagen gehören in der Region Hannover auch die IGS Garbsen und die IGS Linden zu den Gründungsmitgliedern. In Linden musste eine eigene Feier wegen der Corona-Pandemie im September ausfallen, aber die Schülerfirma "Albatros" zeigte ihre ganze Kreativität beim zentralen Festakt in Langenhagen, bot ihre Frühstücksbrettchen, Batik-T-Shirts, Geschirrtücher, Grußkarten und Einkaufstaschen an. Und wenn es schon keine eigene Feier gab, dann zumindest ein eigenes Logo für 50 Jahre IGS Linden.