Endlich Ruhe haben

Die vierte Woche Schulferien hat angefangen. Ab jetzt sind auch Semesterferien an der Universität. Nun ist es da: Das Sommerloch. Endlich Ruhe haben von allen Aufgaben und Verpflichtung. Und auch abends hat man wieder frei: Seit einer Woche ist Frankreich Weltmeister und die WM 2018 Geschichte. Die nächsten Spiele sind in größtmöglicher Ferne: Erst im Advent 2022 wird wieder um den Weltmeistertitel gekämpft – in der Wüste von Katar.
Die Wüste – eigentlich ein ruhiger Ort. Gerade habe ich ein Buch darüber gelesen. Es handelt von dem Leben der „Wüstenväter“ im 5. und 6. nachchristlichen Jahrhundert. Das waren Männer, die auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit in die Wüste östlich von Jerusalem kamen. Dort lebten sie in aller Einfachheit in natürlichen Höhlen, ernährten sich von wildwachsenden Pflanzen und waren ansonsten ins Gebet vertieft. So fokussierten sie ihr Leben neu und ordneten ihre Prioritäten.
So zu leben mutet heute sehr fremd an – und ist gleichzeitig erstaunlich modern: Auch wir kennen den Wunsch nach einem Leben mit geklärten Prioritäten, nach belastbaren Werten, nach einer inneren Gelassenheit, die zufrieden macht. Manche nehmen sich eine Auszeit, um zu neuer Kreativität zu finden. Andere verzichten eine Zeit lang auf ihr Smartphone – „digitales Fasten“ als neuzeitliche Wüstenerfahrung!
Noch einige ruhige Tage – dann wird sich auch bei uns wieder der Alltag melden: Das Telefon klingelt, neue Emails ploppen auf, Hausaufgaben müssen erledigt werden, der nächste Prüfungstermin steht an. Wenn es dann mit Schule und Beruf wieder losgeht: Wo finden sich in unserem Alltag ruhige Orte?
Für mich sind Gottesdienste solche Ruheorte: Das Smartphone ist abgeschaltet, keine Ablenkung, klarer Fokus. Im Gottesdienst müssen wir nichts tun. Sondern Gott dient uns: Hilft dabei, die richtigen Prioritäten zu setzen. Innerlich frei zu werden von dem, was von außen bedrängt. Das Gedankenkarussell zum Stillstand zu bringen. Ruhe zu finden. Auch ohne Wüste.

Jens Wening, Vikar