Engagiert und interessiert auf vielen Feldern

Juist: Auf die Nordseeinsel zieht es die beiden heute noch regelmäßig. 
 
Ein schmuckes Paar: Ilse und Dieter Meier bei ihrer Hochzeit in der Peiner Jakobi-Kirche.

Ihre Lebensfreude nie verloren: Ilse und Dieter Meier feiern eiserne Hochzeit

Langenhagen (ok). Ilse Meier, die kurioserweise Meyer mit Geburtsnamen heißt, erinnert sich genau, wie alles mit ihrem Dieter in Peine anfing: „Mein Mann war leidenschaftlicher Handballer, hat bis zu den Alten Herren gespielt. Sein Mannschaftsbetreuer beim PSV 06 Peine hatte sich damals mit meiner Freundin verlobt, auf der Verlobungsfeier hat es dann gefunkt.“ Und die Liebesgöttin hat bei beiden gleich richtig zugeschlagen, so sehr, dass Ilse ihrem damaligen Freund prompt den Laufpass gab. Sie war in Peine zu Hause, entstammte einem angesehenen Handwerksbetrieb, erlernte das Damen-Schneiderhandwerk, führte als Meisterin einen kleinen Betrieb und sogar ihre eigenen Modelle auf dem Laufsteg vor.
Dieter verlebte seine Kinder- und Jugendzeit in Breslau, kam dann in jugoslawische Kriegsgefangenschaft. Sechs lange Jahre war die Familie getrennt, in Peine kam er mit seinen Eltern dann wieder zusammen. Und lernte eben seine Ilse kennen. Zwei Jahre lang waren die beiden zusammen, dann heirateten sie am 12. September 1953 standesamtlich und feiern jetzt das Fest der eisernen Hochzeit. Eine Heirat, die auch pragmatische Gründe hatte. „Ich war damals Inspektor-Anwärter, hatte nicht so viel Geld und musste ein halbes Jahr lang auf einen Lehrgang. Als Verheirateter gab es einfach mehr Geld“, sagt Dieter Meier, der vor einigen Jahren ertaubt ist, seine Lebensfreude aber nicht verloren hat, verschmitzt. Und witzigerweise artete die Hochzeit fast zur Meierei aus, denn auch der Standesbeamte trug diesen Nachnamen. Ein Dreivierteljahr später holte das Ehepaar dann die kirchliche Hochzeit nach.
Über Braunschweig und Hannover kamen die zwei, die bald beide 92 Jahre alt werden, nach Langenhagen, zogen dort mit ihren beiden Söhnen in ein Reihenhaus am Luheweg. Dieter Meier engagierte sich sehr als Elternvertreter, baute den Förderverein an der IGS Langenhagen bis zu 500 Mitgliedern aus und war acht Jahre lang sein Vorsitzender. Beruflich ging es stetig bergauf, im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport arbeitete er sich bis zum Ministerialrat hoch, war Referent und stellvertretender Referatsleiter. Er sei in seinem Beruf in Aufgaben der Verwaltungsorganisation total aufgegangen, habe aber auch immer tolle Vorgesetzte und ein gutes Team hinter sich gehabt. Nebenbei hat er auch noch in den Fachhochschulen in Bad Münder und Hildesheim gelehrt.
Das Reisen war eine große Leidenschaft des eisernen Paares, das hauptsächlich nach Italien bis nach Sizilien hin gefahren ist. Die beiden wandelten auf den historischen Spuren Kaiser Friedrich II., dem Mann aus Apulien. Und in jedem Jahr gab es auch einen Ski-Urlaub in Osttirol. „Mit 82 Jahren bin ich noch Alpinski gefahren“, sagt Dieter Meier, seine Frau Ilse hat den Langlauf vorgezogen. Überhaupt war Dieter sehr sportlich, mit 16 Jahren ist er mit einer Höhe von 1,66 Metern niederschlesischer Gebietsmeister im Hochsprung geworden. Beide Jubilare waren jahrelang „Morgenschwimmer“ in Langenhagen und Godshorn..
Eine große Leidenschaft der Meiers waren auch Theater und klassische Musik, ein gemeinsames Hobby, das sie allerdings aufgeben mussten, als Dieter Meier ertaubt war. Er kommuniziert heute hauptsächlich schriftlich, ist am Computer total fit. Seit 1998 wohnen Ilse und Dieter Meier schon im Schildhof, für sie ist es dort ein angenehmes, altersgerechtes Wohnen. Und auch nach seiner Pensionierung im Jahre 1991 hat Dieter Meier keineswegs untätig auf der Couch gesessen, 15 Jahre lang Studienfahrten für eine Seniorengruppe in Deutschland organisiert. „So haben wir unsere Heimat viel besser kennen gelernt“, erzählen die beiden unisono. Heute geht es vorzugsweise auf die Nordseeinsel Juist, wo sich kürzlich die Familie mit den Söhnen, Schwiegertöchtern und Enkeln getroffen hat. „Wir haben alle ein tolles Verhältnis zueinander“, freuen sich die beiden Jubilare, die noch allein mit Haushaltshilfe und mit Hilfe treuer Nachbarn in ihren eigenen vier Wänden leben, und Ilse schmeißt nahezu den ganzen Haushalt. Und es ist natürlich selbstverständlich, dass die Familie, die in Berlin und Rheinland-Pfalz lebt, zur Feier angereist kommt und mit Ilse und Dieter Meier auf ein hoffentlich noch langes Leben anstößt.