Entsetzen und Fassungslosigkeit beim SCL

Fest im Griff hat beim SC Langenhagen zurzeit offensichtlich niemand mehr etwas.Foto: R. Thode

Neuer Abteilungsleiter setzt sportliche Leitung vor die Tür

Langenhagen (rt). Es lief gut beim SC Langenhagen. Nach wiederholt schwierigen Rahmenbedingungen, die der wirtschaftlich angespannten Situation des Oberligisten geschuldet waren, baute die sportliche Führung ein Team auf, das sich überraschend auf einem Aufstiegsplatz zur Regionalliga etabliert hat. Zudem konnte jüngst expert als neuer Sponsor gewonnen werden. Es lief wirklich gut beim SCL – bis zum ominösen Montagabend. An diesem Tag sollte die bisher so heile Fußballwelt in der Flughafenstadt tiefe Risse bekommen. Es mutet wie ein Aprilscherz an, doch ist es bittere Wahrheit. Ligaobmann Wolfgang Lange wurde sofort entlassen, Trainer Hilger Wirtz und Co-Trainer Holger Gehrmann dürfen den Verein nach Abschluss der Saison verlassen. Welch´ ein Hammer kurz vor dem Trainingsbeginn nach dem so wichtigen Sieg am vergangenen Sonntag gegen Heeslingen. Der Überbringer der schlechten Nachricht war in diesem Fall der kommissarische Leiter der Abteilung Fußball Michael Kauke. In Begleitung von Kapitän Alexander Dlugaiczyk trat er vor die Mannschaft, um ihr das Unfassbare mitzuteilen. „Wir wussten nicht was geschieht, waren völlig fassungslos und entsetzt“, bringt Torhüter Dlugaiczyk seine Gefühle zum Ausdruck. „Das kam für alle ohne Vorankündigung, angeblich wäre das Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Trainer gestört gewesen“, so Dlugaiczyk weiter. Die Mannschaft war sichtlich geschockt! Auch einen Tag später als Geschäftsführer Klaus Klemp und der Vorsitzender des Gesamtvereins, Christian Schneider, die Situation zu entschärfen versuchten, kochten die Emotionen hoch, und es konnte nur mit Mühe ein Eklat verhindert werden. Trainer Wirtz, der seit September 2008 die Geschicke der Fußballer leitete, war sprachlos. „Ich habe schlecht geschlafen. Das muss ich erst einmal verarbeiten. Ich kann mir nichts vorwerfen." Womit er Recht zu haben scheint. Seit seinem Amtsantritt hat er mit bescheidenen Mitteln eine verschworene Einheit geformt, die völlig überraschend um den Aufstieg in die vierthöchste Spielklasse mitspielt. Er hat es geschafft, trotz des zweitniedrigsten Etats der Liga, Spieler für den SC Langenhagen zu motivieren, die mit Herz und Leidenschaft die Farben des Vereins tragen. Kauke, erst seit zwei Monaten im Amt und ohne nennenswerte sportliche Reputation, wirft Wirtz vor, Fristen nicht eingehalten und nicht autorisierte Informationen an die Presse weitergeleitet zu haben. "Da greifen dann bestimmte Automatismen“, so sein Kommentar. Die Vorwürfe bestreitet der Trainer vehement. „Nach anfänglich guten Gesprächen sollte ich mich dann kurzfristig entscheiden. Es war allerdings noch Redebedarf. Deshalb hatten wir einen Termin nach dem Spiel vereinbart. Zu diesem Gespräch kam es dann jedoch nicht." Geschäftsführer Klemp stellte klar, dass das Handeln von Kauke mit der Rückdeckung des Vorstandes geschah. „Wenn der Trainervertrag nicht bis zum 31. März gekündigt worden wäre, hätte er sich um ein weiteres Jahr verlängert“, so Klemp. Doch was wäre daran verkehrt gewesen? Die finanzielle Situation? „Dann hätten wir die Mannschaft schon im vergangenen Jahr zurückziehen können."Womit er Recht behält. Doch wo sind die Gründe für die überstürzte Aktion? Wurde die Nähe zu Lange Wirtz zum Verhängnis? Der Ligaobmann spricht hier Klartext. „Mir wurde vorgeworfen, kein Teamplayer zu sein. Das ist doch an den Haaren herbeigezogen. Dieser Kleinkrieg hat mich nervlich zerrüttet“, prangerte Lange die bürokratische Entwicklung beim SCL an. Nachdem Kauke installiert worden war, sollten alle Entscheidungen über dessen Tisch laufen, „ da fühlt man sich auf den Schlips getreten." Auch sein Konzept für den eventuellen Aufstieg stieß auf taube Ohren. Die Lizenzierungsunterlagen für die Regionalliga wurden aufgrund eines geringen Fehlbetrages erst gar nicht beantragt, was bei den Aktiven zum Unmut führte. Außenstehende der Fußballszene sind mehr als entsetzt über die Vorgehensweisen im größten Sportverein Langenhagens. „Ich bin völlig überrascht und wie viele andere aufgeschreckt worden. Es ist erschütternd, wie ein anerkannte Fachmann, der die sportliche Entwicklung so maßgeblich vorangetrieben hat, so abserviert wird. Gerade in den eigenen Reihen sollte man Fairness walten lassen“, sagte Ex-Trainer Ulrich Pigulla, der elf Jahre an der Leibnizstraße tätig war. Wie es jetzt weitergeht, steht in den Sternen. Angeblich hat Kauke schon Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführte. Wer auch immer die Nachfolge vom Erfolgstrainer Wirtz antreten wird – ob es jemals wieder so gut läuft wie bis zum Montag, scheint mehr als fraglich.