Equal Pay Day aus Frauensicht erst am 7. April

Gleichstellungsbeauftragte: „Die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern ist noch viel größer“

Langenhagen. In vielen Kommunen findet am 18. März der „Equal Pay Day“ statt. Der „Equal Pay Day“ markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen „umsonst“ arbeiten. Erst an diesem internationalen Aktionstag hat die Mehrheit der Frauen für ihre Erwerbstätigkeit das verdient, was ihre männlichen Kollegen im Vorjahr für die gleiche Tätigkeit ausgezahlt bekommen haben. Das sind die Folgen des Gehaltsunterschieds zwischen Männern und Frauen. Laut Equal-Pay-Bündnis liegt der Gehaltsunterschied bei 21 Prozent. „Doch aus Sicht der Frauen stimmt diese Prozentangabe nicht“, sagt Christina Mundlos. Wie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Langenhagen erläutert, haben das Statistische Bundesamt und einige Medien bereits auf den Rechenfehler hingewiesen: denn es handelt sich dabei um das Ergebnis einer Rechnung aus Sicht der Männer. Das wird aber meistens verschwiegen. „Ihr Verdienst wird als 100 Prozent gesetzt. Von dieser Größe wird heruntergebrochen, wie viel Prozent weniger Frauen verdienen. Doch drehen wir das Verhältnis um und gehen einmal davon aus, dass das Gehalt einer Frau100 Prozent ausmacht, dann bekommt ein Mann für die gleiche Tätigkeit in der Regel 26,6 Prozent mehr.“
Anhand eines simplen Beispiels veranschaulicht die Gleichstellungsbeauftragte den Unterschied: „Angenommen ein Mann hat drei Kekse und eine Frau zwei. Dann hat aus Sicht des Mannes die Frau 33 Prozent weniger als er. Aus Sicht der Frau hat der Mann jedoch 50 Prozent mehr als sie. Recht haben beide, doch zeigt das Ergebnis einen wichtigen Unterschied auf: Es kommt auf die Blickrichtung an.“ Das männliche Gehalt wird als Bezugsgröße gewählt und somit zur Norm deklariert, wenn es um die gleiche Bezahlung geht. „Das ist schon etwas verrückt“, sagt Mundlos, „erstrecht, wenn die geringere Zahl dabei kommuniziert wird und der Gehaltsunterschied somit verharmlost wird“. Männer verdienen im Schnitt also knapp 27 Prozent mehr als Frauen, wenn wir vom Verdienst pro Arbeitsstunde sprechen. Laut Mundlos` Berechnung wäre damit der Equal Pay Day erst am 7. April.
„Aufgrund von Gehaltsunterschied, Familienphasen und Teilzeitarbeit fallen Frauen dann oft in die Altersarmut. Der Gender Pension Gap, der Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Rente, ist noch größer als beim Einkommen: Männer erhalten ganze 73 Prozent mehr Rente als Frauen“, ergänzt die Gleichstellungsbeauftragte. „Im Laufe des Lebens summieren sich diese finanziellen Benachteiligungen der Frauen so weit, dass sie insgesamt eine Million Euro weniger als Männer erhalten“, schlussfolgert Mundlos. Aus diesem Grund veranstaltet die Gleichstellungsstelle in Zusammenarbeit mit FemFinanz am 16. Mai 2019 um 19 Uhr im Treffpunkt der VHS den Themenabend „Frauen & Finanzen: Sorge für dich, bevor es kein anderer tut“.