Er sucht sich neue Ziele

Viele wollten ihn auf der Bühne in Godshorn sehen: Künstler Stephan Hartung setzt das Publikum und sich bei einem Selfie richtig in Szene. (Foto: H. Hollemann)
 
Lieferte 90 Minuten lang ab: Stephan Hartung. (Foto: H. Hollemann)

Journalist Stephan Hartung mit Pointen-Feuerwerk auf Godshorner Kleinkunstbühne

Godshorn (ok). Er war ein Hoffnungsschimmer am Comedy-Himmel, und es ist auf keinen Fall ein Hoffnungsschwimmer daraus geworden. Nur einer von vielen Versprechern – eigene und auch von Kollegen – die der Journalist Stephan Hartung in sein Programm „Es gilt das versprochene Wort“ beim Open-Air-Festival des Godshorner Kulturringes aufgenommen hatte. Und um beim Wortspiel zu bleiben: Ins Schwimmen kam der 45-Jährige bei seinem Auftritt nicht, denn Hartung sorgte mit viel Wortwitz für den einen oder anderen Lacher beim Publikum. Gekommen waren nicht nur Bekannte und Freunde Stephan Hartungs, der in Godshorn aufgewachsen ist, sondern auch andere Interessierte. Sie waren neugierig auf den Newcomer und wurden nicht enttäuscht. Hartung hatte sich ein vielseitiges Programm überlegt, viel Akribie in die Vorbereitung gesteckt. Und seine Ehefrau Anne-Katrin hatte ihm hilfreich zur Seite gestanden, ihrem Stephan geraten, die Textzeilen „wie einen Walzer“ vorzutragen. Und Hartung hielt sich als braver Ehemann natürlich an die Ratschläge seiner Frau, die Pointen waren gut zu verstehen. Und von denen gab es viele: So erzählte Hartung von einem Vikar, über den laut Pressemitteilung in einem Atemzu g erwähnt wurde: "der Paare getraut und auf Langenhagener Friedhöfen beerdigt hat". Im Rotlichtmilieu seien während der Corona-Pandemie viele Prostituierte auf die Straße gegangen, weil „niemand mehr gekommen ist". So stand es zumindest in einer Zeitung. Auch auf seinen größten Faux Pas in seiner langen journalistischen Karriere ging der Redakteur ein: So hatte er im Jahr 2001 nach den Terroranschlägen von New York zum Thema Reisen geschrieben: „Langenhagener suchen sich neue Ziele“.
Hartung zog auch auf ironische Art und Weise zwischen seiner Jugendzeit und der heutigen Generation, erinnerte an die gelben Häuschen, die sich Telefonzellen nannten. Eine solche Telefonzelle mit einem defekten Telefonhörer und zerrissenem Telefonbuch – damals keine Seltenheit – würde heutzutage mit „Die Kontakte komplett gelöscht, Telefon auf Werkseinstellungen zurückgesetzt“ beschrieben werden. Ein deutlicher Hinweis an pubertierende Jugendliche würde heute wohl mit „Solange du mit deinem Smartphone meine WLAN benutzt“ ausgesprochen werden, und Klingelstreiche werden mit Paketdienste wie UPS, Hermes oder DHL in Verbindung gebracht. Ein Problem sei es auch, wenn jemand instagramsüchtig sei, und ihm niemand folgen könne. Stephan Hartung nahm Wortkreationen, die in den Alltag Einzug gehalten haben, aufs Korn wie etwa das Fahrrad, das bei einer Tombola winkt, das Kinderbasteln, die Ampel, über die gegangen wird und auch der Teller, der noch gegessen werden muss. Und natürlich durfte auch ein Stolz des Bürgermeisters Mirko Heuer, der mit Ehefrau Astrid im Publikum war, ebenfalls nicht fehlen: die Rathausabholstation, in der Dokumente auch außerhalb der Öffnungszeiten lagern. Der Begriffe könnte zu Verwirrungen führen, sodass mancher Mitarbeiter am Montagmorgen vielleicht seinen geliebten Arbeitsplatz vermissen könnte. Auch einige Fußballweisheiten hatte der Sportfan im Repertoire  wie etwa der Vergleich Lukas Podolskis Fußball sei wie Schach ohne Würfel und der Ausspruch der Dortmunder Borussen-Legende Norbert Dickel, dass jemand mit allen Abwassern gewaschen sei. Aus seiner eigenen Erfahrung als Tischtennistrainer mit pädagogischem Feingefühl erzählte Stephan Hartung. So habe er einer Anfängerin beispielsweise erläutern müssen, dass ein Aufschlag mit Schnitt nicht einfach ein Aufschnitt sei.
Kurzum: Für Jeden war in dem kurzweiligen Auftritt etwas dabei. Übrigens der zweite auf der Godshorner Kleinkunstbühne, 2014 hatte war er im Vorprogramm des heute weltbekannten Chris Tall aufgetreten. Wer weiß, wo Hartungs Weg noch hinführt, aber zumindest für nächste Jahr hat Kulturring-Chef Detlef Euscher schon einmal vorsichtig für eine Wiederholung angefragt.