Er wollte sein Rathaus verteidigen

Alles Gute zum 90.: Astrid Schoring (von links), stellvertretender Bürgermeister Willi Minne, Hans Weymann und Karin Saremba. (Foto: O. Krebs)

Früherer Vinnhorster Gemeindedirektor Hans Weymann ist 90 geworden

Langenhagen (ok). Das kommt auch nicht alle Tage vor: Das Gebäude, das er mit aufgebaut hat, wird noch zu seinen Lebzeiten wieder abgerissen. So ergeht es gerade Hans Weymann, der jetzt seinen 90. Geburtstag feierte. Weymann war in den 60er- und 70er-Jahren Gemeindedirektor in der damals selbstständigen Gemeinde Vinnhorst, hat damals als stärkster Partner am Bau des Hallenfreibades in Godshorn maßgeblich mitgewirkt. Und musste jetzt schmerzlich miterleben, wie es geschlossen und demnächst dem Erdboden gleichgemacht worden ist. „Wir haben damals nur kein eigenes Schwimmbad gebaut, um noch Geld für eine Sporthalle zu haben“, erinnert sich Weymann, der nach der Gebietsreform im Jahre 1974 als Amtsleiter bis zu seiner Pensionierung bei der Stadt Hannover gesarbeitet hat. Erst im Bauordnungs-, dann im so genannten Versicherungsamt. Dort habe er sich der humorvolle Hans Weymann immer sehr wohl gefühlt, die Arbeit mit Menschen habe ihm immer gelegen. Wie übrigens auch seinen beiden Töchtern Karin Saremba und Astrid Schoring, die ebenfalls beide im gehobenen Dienst in der öffentlichen Verwaltung gelandet sind. Viele Langenhagenerinnen und Langenhagener werden Karin Saremba noch kennen, war sie doch 45 Jahre lang in verantwortlichen Positionen im Langenhagener Rathaus nach ihrer Lehre bei der Gemeinde Godshorn tätig. Mit dem damaligen Gemeindedirektor Hermann Euscher – mittlerweile auch schon 99 Jahre alt – hat Hans Weymann eng über die Gemeindegrenzen hinweg gearbeitet. Und so wie seine Tochter in Godshorn ausgebildet worden ist, hat er Euschers Sohn Jürgen in Vinnhorst unter seine Fittiche genommen. 1945 hat Hans Weymann den sicheren Weg in den öffentlichen Dienst bei der Verwaltung in Letter gewählt, Lehrstellen waren in der Zeit rar. „Eine Alternative wäre wohl Friseur gewesen“, erinnert sich Karin Saremba. Aber sie weiß auch: „Im Bombenhagel der letzten Kriegstage wollte er das Rathaus in Letter verteidigen.“ Er schien also schon damals einen inneren Drang zu seinem späteren Arbeitsplatz verspürt zu haben. Der Zufall spielte ihm nach der Lehre in die Karten, sodass er den Job einer Kollegin übernehmen konnte. Die Frau musste in der Nachkriegszeit auf dem heimischen Bauernhof helfen. 1960 ging es dann als stellvertretender Gemeindedirektor nach Vinnhorst, ehe er dort Chef der Verwaltung wurde. Ein offensichtlich beliebter Chef, denn er hat heute noch Kontakt zu Mitarbeitern. Unter anderem auch zu seiner Sekretärin Margret Schiller, die bei Sparta Langenhagen sehr aktiv ist.
Nach der Pensionierung hat es Hans Weymann nach Grömitz und Eutin in Ostholstein gezogen. Er kannte die Holsteinische Schweiz aus dem Urlaub und hatte die landschaftlich schöne Gegend im Norden kennen und lieben gelernt. Nach dem Tod seiner Lebensgefährtin ist er vor dreieinhalb Jahren in die Nähe seiner Töchter zunächst ins Betreute Wohnen und dann in die City Park Residenz gezogen. Hans Weymann liebt Musik hören und ist früher gern spazierengegangen, war bis vor kurzer Zeit auch noch regelmäßiger Gast im Fitnessstudio und mit dem Fahrrad unterwegs. Heute freut sich der freundliche Senior, der seinen Mitmenschen immer offen begegnet, über die Besuche seiner Familie, zu der außer den beiden Töchtern auch drei Enkel und fünf Urenkel zählen.