Ernst Müller im Unruhestand

Ernst Müller (rechts) und Harald Sandmann, der schon mehrfach als Gastdirigent bei Müller geschnuppert hat. Foto: Privat

„Auch aus der zweiten Reihe lässt sich einiges bewegen"

Langenhagen. „Von einem zum anderen Tag völliger Ruhestand - das kommt für mich aber nicht infrage!“ So oder ähnlich äußerte sich Ernst Müller, Vollblutdirigent und Ehrenbürger Langenhagens, als er zum letzten Mal, so seine Ankündigung,im Dezember 2019 das Weihnachtskonzert oder im Januar diesen Jahres das Neujahrskonzert mit seinem Orchester gab. Zwar will er es in diesem Jahr etwas ruhiger angehen lassen. Aber die Zügel ganz aus der Hand geben, das will er dann doch nicht. „Auch aus der zweiten Reihe lässt sich so einiges musikalisch bewegen,“ gibt er sein Ziel für den sogenannten Unruhestand aus, wobei er gerne den weiten Horizont von sechs Jahrzehnten Erfahrung als Musiker und Dirigent einbringen möchte.
Allerdings ist ihm bewusst, dass die Blasmusik, für die er nach wie vor lebt, nicht von ihm
allein zum Erklingen gebracht werden kann. Und so hat er die Winterzeit genutzt, um erste
Fäden zu ziehen, indem er sich mit langjährigen Wegbegleitern zusammen gesetzt und Pläne
geschmiedet hat. „Wir können unser langjähriges Publikum nicht im Stich lassen,“ formuliert
Müller die eine Seite der Medaille. Andererseits denkt er aber auch an die Musiker und
möchte ihnen weiterhin eine Zukunft des gemeinsamen „Blasmusizierens'“ bieten. Als
Fundament sollen zum einen Musiker dienen, die zum Teil schon bis zu fünf Jahrzehnten mit
Müller rund um den Erdball Niedersächsische Blasmusik verbreitet haben. Zum anderen soll
aber auch jüngeren Musikern eine sichere Perspektive geboten werden.
Fehlt noch ein Dirigent – sozusagen für die erste Reihe! Aber auch hier zeichnet sich eine
Lösung ab, wie die aufmerksamen Stammgäste der Müllerschen Blaskonzerte in der letzten
Zeit sicherlich schon bemerkt haben werden. Harald Sandmann, im Hauptberuf
stellvertretender Leiter des Heeresmusikkorps Hannover, hat bereits bei einigen Konzert von
Ernst Müller als Gastdirigent „geschnuppert". Und mit ihm schlösse sich der Kreis, da er
gleichzeitig als Dirigent des Langenhagener Blasorchesters fungiert, das wiederum Ernst
Müller selbst bekanntlich gegründet und lange Zeit geleitet hat.
Vor diesem Hintergrund sind bereits für das laufende Jahr eine Reihe von Konzertterminen in
den Kalender eingestellt und auch eine weitere Konzertreise in den Blick genommen worden.
Nur mit der Corona-Pandemie hatte niemand gerechnet, die nun die Planung gehörig
durcheinanderbringt. Aber wer Müllers Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen kennt,
weiß, dass er sich in seinen Plänen davon nicht beeindrucken lässt. "Blasmusik lässt sich von
einem Virus nicht unterkriegen!" fasst er seine aktuelle Stimmung zusammen.