Erster Deutschlandflug vor 100 Jahren

Eines der 123 Flugzeuge, die zur Teilnahme am Deutschlandflug in Langenhagen landeten. Foto: K.Raap

Traditionswettbewerb startete mit 123 Maschinen diesmal in Langenhagen

Langenhagen (kr). "100 Jahre Deutschlandflug" - dieses geschichtsträchtige Jubiläum wurde jetzt auf dem Flughafen in Langenhagen gestartet. Bei dieser vom Deutschen Aero Club ausgerichteten Veranstaltung stand für 123 Piloten einmotoriger Maschinen Zuverlässigkeit, fliegerisches Können und Disziplin im Vordergrund. Die Piloten und natürlich längst auch die Pilotinnen der Wettbewerbsgruppe mussten Flugzeiten einhalten, festgelegte Punkte wie Türme und Bauernhöfe überfliegen und am Ende eine Punktlandung hinlegen. Bei den Tourenfliegern wurde allein die korrekte Landung bewertet . Beim Briefing vor dem Start erhielten die Teilnehmer Routenpläne und Zeittabellen, bevor es dann im Minutentakt in die Luft ging. Der Kurs der Wettbewerbsgruppe führte über Dessau, Kamenz und Weiden nach München-Schleißheim, die Touringgruppe erreichte dieses Endziel über Marburg, Ida-Oberstein und Bamberg. Erstmals als "Deutscher Rundflug" ausgeschrieben war im Jahr 1911 der Urahn des "Deutschlandflugs" eine harte Prüfung für Mensch und Maschine. Als Größenwahn wurde dieser Wettbewerb von vielen Zeitgenossen tituliert, viele Piloten waren dagegen begeistert von diesem Vorhaben, was sich in einem Preisgeld von über 400 000 Mark manifestierte. In Tagesetappen von rund 200 Kilometer galt es, eine Gesamtstrecke von 1900 Kliometer zurückzulegen. Die Flugapparate, die damals in Johannisthal bei Berlin an den Start rollten, bestanden damals weitgehend aus Sperrholz und verfügten über mit Stoff bespannten Flügeln. Und dieses geschah nur acht Jahre nach dem ersten Motorflug der Gebrüder Wright und nur drei Jahre nach dem bestaunten Kilometerflug des Franzosen Henri Harmann. Trotz des großen Erfolgs fand der nächste Rundflug erst 14 Jahre später statt und führte über 5000 Kilometer und 34 Städte. Die nächsten Wettbewerbe wurden nach unterschiedlichsten Modi ausgetragen. Dass die Nazis diese Veranstaltung im Jahr 1938 mit 403 teilnehmenden Flugzeugen zur weltweit größten Show dieser Art machten, kam nicht von ungefähr.
Nach Rückgabe der deutschen Lufthoheit im Jahr 1955 fand bereits ein Jahr später wieder ein Deutschlandflug statt. Vieles hat sich in der hundertjährigen Geschichte dieser Veranstaltung geändert. Eines jedoch ist geblieben: Der veranstaltende deutsche Aero Club bewertet fliegerisches Können ebenso wie diszipliniertes Verhalten. Und auch das gesellschaftliche Beisammensein hat eine besondere Bedeutung. Die Abschlussveranstaltung mit der Siegerehrung fand in den Räumlichkeiten der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums statt.
Während der Flughafen Langenhagen diese spektakuläre Veranstaltung mit der Ankunft der vielen Flugzeuge und den Start am nächsten Morgen durchaus als Auszeichnung für die hervorragenden Gegebenheiten vor Ort registrierte, fühlten sich einige Bürger, vor allem Anlieger der Tegelerstraße, durch die Motorengeräusche belästigt und beschwerten sich bei der Flughafenleitung. Diese zeigte durchaus Verständnis, verwies aber auch darauf, dass die urspünglich geplante weniger lärmintensive Startrichtung wegen veränderter Windverhältnisse kurzfristig geändert werden musste. Dass Veranstaltungen dieser Art, die durchaus dem Image des Airports dienen, nicht geräuschlos über die Bühne gehen, sollten auch die Einwohner einer Flughafenstadt tolerieren.