"Es geht nicht um die Schönen, sondern um die Seltenen"

Hans-Jürgen Jagau ist bei der Bestimmung der Tagfalter zum Experten geworden. (Foto: G. Gosewisch)

Tagfalter-Monitoring läuft in Krähenwinkel seit zehn Jahren

Krähenwinkel (gg). „Der suchende Blick wird einfach Routine“, erklärt Hans-Jürgen Jagau zu seiner besonderen Aufgabe. Er ist seit zehn Jahren Beauftragter im Tagfaltermonitoring, ein sogenannter Transektzähler. Ehrenamtlich geht er einmal pro Woche an einem bestimmten Ackerrand entlang und zählt Tagfalter. Das sind Schmetterlinge aus verschiedenen Familien, die hauptsächlich tagsüber fliegen. Zu dieser Gruppe gehören sehr große und farbenfrohe Arten, wie Bläulinge, Würfelfalter, Dickkopffalter, Ritterfalter, Edelfalter oder Weißlinge. Und an der Aufzählung wird schon klar, was das Problem beim Tagfalter-Zählen ist, nämlich die Bestimmung. „Ja, das die ist knifflig“, sagt Hans-Jürgen Jagau und verweist auf zahlreiche Fachbücher, die er zu Hilfe nimmt. Dass die Schmetterlinge bei der Betrachtung nicht stillhalten, erleichtere die Aufgabe nicht. Sehr fein seien die Unterschiede in den Merkmalen, die für die Zuordnung aber entscheidend sind. „Manchmal geht es bei gleicher Farbe der Flügel nur um winzige Punktanordnungen. Fotografieren und später in Ruhe die Art bestimmen, hilft“, erklärt er zum Vorgehen. Das Fangen der Schmetterlinge lehne er ab, weil das Schadensrisiko zu hoch sei. Seine Neugierde auf die Vielfalt, die von der Natur gegeben wird, bleibe sein Antrieb. Die Zählung von Hans-Jürgen Jagau in Krähenwinkel wird online unter www.tagfalter-monitoring.de erfasst, ein bundesweites Erfassungssystem, auf das die Forschung zugreifen kann. „Es geht nicht um die Schönen, sondern um die seltenen Arten“, erklärt Hans-Jürgen Jagau zum Ziel Biodiversität. Je Art variieren die Bedingungen, unter denen sie überhaupt überleben können, sehr stark. Der Lebenszyklus ist an das Vorhandensein von bestimmten Baum- oder Straucharten geknüpft. „Beispielsweise legt der Zitronenfalter seine Eier nur am Faulbaum ab. Diese Baumart ist aber sehr selten geworden, wird oft gedankenlos abgesägt, nur weil er nicht mehr schön ist“, erklärt der Hans-Jürgen Jagau. Einen Trend aus seinen Zählungen der letzten zehn Jahre könne er gar nicht ausmachen. „Die Witterung bleibt der größte Einflussfaktor für das Vorkommen bestimmter Arten“, sagt er. Dass die hiesigen Landwirte naturbelassene Ackerränder erhalten und damit für den Artenerhalt einen großen Beitrag leisten, freue ihn ganz besonders.