Fast zu spät beim Standesamt

Haben sich immer gern in ihrem eigenen Kleingarten in der List erholt: Lisa und Gerd Petermöller. (Foto: S. Hartung)
 
Das eiserne Ehepaar musste wegen einer eigenen Wohnung schnell heiraten.

Elisabeth und Gerhard Petermöller feierten jetzt eiserne Hochzeit

Langenhagen (sh). Wenn die Schwiegermutter ein gutes Gefühl hat, dann kann nichts schiefgehen. Das hat der Anfang von Gerhard und Elisabeth Petermöllers Geschichte gezeigt. Es war nicht weniger als die Basis für ihre Hochzeit am 21. April 1956. 65 Jahre später feiern die Langenhagener, die im Freundes- und Familienkreis nur Gerd und Lisa genannt werden, nun ihre eiserne Hochzeit.
Zuvor erlebte Gerd Petermöller aber turbulente Jahre. In Hannover war er ausgebombt worden, Nienburg an der Saale wurde zur neuen Heimat – vorübergehend. Nach dem Krieg begann er in Bernburg die höhere Handelsschule. „Dann sollte ich zur Volkspolizei. Das wollte ich nicht, dann habe ich die Mücke gemacht“, erzählt er und lacht. Er flüchtete nach Hannover. „Meine alte Heimat, sie hatte mir doch sehr gefehlt.“
Zunächst kam er in einem Jugendheim in der Nähe der Universität unter. „Ich war noch schwach vom Krieg, wurde dann erst mal aufgepäppelt.“ Seine spätere Frau, die in der Nordstadt aufwuchs, lernte er über drei Ecken kennen: Ein Freund von Petermöller hatte einen Kollegen, der jemanden kannte, der mit Elisabeth Lutterbeck in einem Haus wohnte.
Wie genau sich dann das erste Gespräch ergab, weiß der heute 90-Jährige nicht mehr. Nur so viel: „Irgendwann sind wir dann nach Linden gefahren. Dort gab es ein tolles Tanzlokal.“ Und im Kino waren sie auch. „Und dann waren wir wieder tanzen. So war das damals.“
Eher ungewöhnlich für die damalige Zeit: Gerd Petermöller konnte zu Beginn der 50er-Jahre bei seiner späteren Schwiegerfamilie einziehen. „Sie wohnten im Hinterhaus, im Vorderhaus war ein Zimmer frei“, erinnert er sich. Warum er dieses Angebot erhielt, ist eine Anekdote, die Tochter Sabine Petermöller gerne erzählt. „Meine Großmutter hat später immer erzählt, dass mein Vater damals einen guten Eindruck hinterlassen hat und ihr klar war, dass er der Schwiegersohn in spe sein würde. Das hatte sie im Gefühl“, berichtet Sabine Petermöller, die 1960 zur Welt kam. Sechs Jahre später folgte ihr Bruder Jörg.
Am 21. April 1956 heirateten Petermöllers in Hannover – aber nur standesamtlich, ohne Kirche. „Es musste schnell gehen, weil wir die Möglichkeit hatten, in eine Neubauwohnung nahe dem Aegi ziehen zu können. Das ging nur als Verheiratete“, sagt Gerd Petermöller. Schnell war auch er an diesem Tag. „Ich hatte vorher noch einen Termin in Bodenwerder und habe mich sehr beeilt, fast wäre ich zum Standesamt zu spät gekommen.“ Statt Flitterwochen stand dann der Umzug an. „Wir haben viele Kisten geschleppt.“
Seit 1963 leben Gerhard und Elisabeth Petermöller in Langenhagen, die 86-Jährige ist mittlerweile in eine Senioreneinrichtung gezogen. Ihr Mann besucht sie dort, wenn möglich, und erfreut sich sonst am Blick auf den Quartierstreff Wiesenau. „Vor Corona war ich oft dort zum Frühstücken oder Mittagessen“, sagt der gelernte Elektrotechniker, der seinen Arbeitsplatz stets in der Wedemark hatte. Seine Frau war während ihres Berufslebens in der Textilbranche tätig, aber auch in der Buchhaltung und im Schuhverkauf.
Gemeinsame Urlaube verbrachten die Eheleute, ob mit oder später ohne Kinder, gern im Rheinland, im Weserbergland sowie in Österreich, Dänemark und Italien. Ebenfalls beliebt zur Erholung: der eigene Kleingarten in der List. „Das war herrlich. Das Lister Bad war in der Nähe, die Kinder konnten dort schwimmen.“ Den Garten gibt es heute noch, bewirtschaftet von der Tochter. „Unser Garten hat jetzt auch Jubiläum und wird 50 Jahre alt“, sagt er stolz.