Flucht, Vertreibung und Verlust

Der Heimat-Gesprächskreis trifft sich regelmäßig zum Austausch.

15 Jahre Heimat-Gesprächskreis im MGH

Langenhagen. Seit November 2005 trifft sich zweimal im Monat im Mehrgenerationenhaus-Langenhagen eine Gruppe-vorwiegend Frauen- zum Gespräch und Austausch. Geleitet wird die Gruppe von Gundula Ruge und Marianne Drexel-Gillner. Alle verbindet, dass sie ihre Heimat kriegsbedingt als Kinder oder Jugendliche verlasen mussten. Sie haben Flucht, Vertreibung, Familienverlust und so weiter. am eigenen Leibe erfahren.
In dem Augenblick denkt man nicht, dass es ein Abschied für immer sein könnte. Solche Situationen haben Flüchtlinge in aller Welt nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt und erleben es bis heute noch immer. Alle verbindet nicht nur der Verlust, sondern auch die Bedingungen für einen Neuanfang: Zusammenführung der Familien, Schule, Ausbildung, Beruf, Gründung einer Familie, Wohnungssuche, auch Wurzeln zu schlagen. Alle haben ihr Leben gemeistert und haben sich am Wiederaufbau Deutschlands aktiv beteiligt. Es ist in der Heimatgruppe gelungen eine Atmosphäre des Vertrauens und der Empathie zu schaffen, dabei werden auch Themen erörtert, die selbst dem Ehemann aus Scham verborgen bleiben.
Eine Teilnehmerin hat mit Hilfe der Heimatgruppe das Grab ihres Vaters in Russland gefunden. Eine andere TN erfuhr ihren Geburtsort und erhielt nach 70 Jahren ihre Geburtsurkunde. Mehrere Besuche im Kunstverein Langenhagen mit moderner Kunst wurden durch fachliche Begleitung zu einem Erlebnis. Schülerinnen und Schüler aus der benachbarten Schule konnten im Sozialpraktikum angeregt werden, die Eltern und Großeltern nach deren Lebenswegen zu fragen. Eine gemeinsame Reise nach Breslau 2018 stand unter dem Motto der Versöhnung – wie überhaupt die gesamte Arbeit bei den Gruppentreffen. Nun ist Zeit die persönliche Vergangenheit aufzuarbeiten, denn: „die Vergangenheit nicht zu kennen, kann die Zukunft kosten“.
Die Teilnehmerinnen und auch das Team des MGH danken den beiden Initiatorinnen ganz herzlich. Infos unter Mehrgenerationenhaus-Langenhagen, Konrad-Adenauer-Straße 15d, Telefon (0511) 72 11 35.