"Früher nannte man es Nachbarschaftshilfe"

Tauschten sich mit Moderatorin Martina Gilica (oben rechts) aus: Ingrid Kettner (von links), Birga Hüttermann und Elke Kruse.

Hospizverein gestaltet die Sendung Plattenkiste von NDR 1 Niedersachsen

Langenhagen. Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Am 15. März zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Birga Hüttermann, Ingrid Kettner und Elke Kruse mit Moderatorin Martina Gilica über die Arbeit des Hospizvereins Langenhagen in der Region Hannover.
Elke Kruse ist angestellt. Die gelernte Krankenschwester machte eine Zusatzausbildung zur Palliativkrankenschwester. Als dann in Langenhagen die Stelle frei wurde, bewarb sie sich. Mit der Rente suchte Ingrid Kettner nach einer Aufgabe: Sie hatte vorher ein Seniorenzentrum geleitet - die Erfahrung gab ihr die für sie passende Richtung. 2013 machte sie einen Kursus für die ehrenamtliche Begleitung im Hospiz. 2017 kam Birga Hüttermann dazu. Auch sie arbeitet ehrenamtlich. Bei ihr wurde ein Herzfehler festgestellt – und mit dem Thema Krankheit und Tod wollte sie sich deshalb unbedingt auseinandersetzen. Als sie eine Anzeige sah, wusste sie sofort, dass sie sich im Hospiz einbringen konnte. Drei Angestellte und 30 Ehrenamtliche arbeiten und helfen im Hospiz.
"Das kann jeder; früher nannte man es Nachbarschaftshilfe", fasst Elke Kruse knapp zusammen. Angeboten werden Vorbereitungskurse für alle Interessierten: Dabei geht es um Selbsterfahrung, um eigene Grenzen und eigenes Können. Wer das absolviert hat, kann sich einbringen - im Hospiz, zu Hause bei den Patienten, aber auch im Büro oder für die Öffentlichtkeitsarbeit des Hospizes. Ingrid Kettner kannte schon Menschen, die sich ihrem Lebensende näherten und sich zum Teil auch nicht mehr selbst helfen konnten. Ihre erste Aufgabe war es, eine alte Dame zu begleiten, die im Rollstuhl saß. Zunächst konnten sie noch viel draußen sein, später ging es um die Begleitung bis zum Tod. "Wir haben uns viel erzählt", sagt sie in der Erinnerung. Die erste Begleitung von Birga Hüttermann begann mit einem "Tandem-Partner" in einer Familie. Die Tochter hatte um Hilfe für die alte Dame gebeten. Birga Hüttermanns Vorstellungen wurden völlig ins Gegenteil verkehrt: Es war keine düstere Begegnung. Sie lachten und sangen miteinander, denn die Dame freute sich riesig über den Besuch. Ein Mensch kann sich auf einen anderen Menschen einstellen, sagt Birga Hüttermann überzeugt: Sie kann sich auf ihr Gegenüber einlassen - und das gibt auch ihr sehr viel. Das Helfen macht sie in einer gewissen Weise glücklich und ist sehr erfüllend, da es immer eine besondere Atmosphäre ist, die sie selbst mitgestalten kann.
Bei den Gruppenabenden tauschen sich die Ehrenamtlichen miteinander aus. Für alle Begleiter steht Beratung zur Verfügung, um sie auch aufzufangen, wenn und wo es nötig wird. Einmal im Monat treffen sich alle in großer Runde, berichtet Elke Kruse. Es wird an die Verstorbenen erinnert, über aktuelle Begleitungen geredet und die Erlebnisse, organisatorische Dinge werden geklärt. Ein bisschen Selbsterfahrung ist immer dabei, sagt sie - und das gehört auch dazu. So grüßt sie aus der Sendung alle Beteiligten und dankt für viel Unterstützung.
Von Montag bis Freitag heißt es zwischen 12 und 13 Uhr bei NDR 1 Niedersachsen „Die Plattenkiste – Hörer machen ein Musikprogramm“. Die Sendung wird komplett von den Gästen gestaltet. In der Sendung können sich Vereine, Clubs, Organisationen vorstellen – egal ob Chor, Surfclub, Theater- oder Selbsthilfe-Gruppe. Informationen zur Bewerbung unter www.ndr1niedersachsen.de.