Für den Erhalt historischer Sorten

Die Naturkundliche Vereinigung Langenhagen ( NVL) setzt sich für den Erhalt der historischen Tomatensorten ein. (Foto: W. Kirschning)

NVL-Mitglieder besuchten Tomatengärtnerei Nötel

Langenhagen. "Ist das eine Tomate, ja oder nein?" - eigentlich war es kein Ratespiel, denn 18 Mitglieder und Freunde der Naturkundlichen Vereinigung Langenhagen (NVL) wussten beim Besuch des Gartenbaubetriebs Nötel in Jeinsen, dass es sich um verschiedene Sorten der Tomate handelt, trotzdem die Varianten und die Formen- und Farbenvielfalt anderes vermuten ließ. Gärtnermeister Frieder Nötel ist seit vier Jahren der Lieferant der Tomatenpflanzen, die in jedem Frühjahr von der NVL auf dem Wochenmarkt angeboten werden. Jeder Gartenfreund und jeder Feinschmecker hat eine Vorstellung davon, wie Tomaten auszusehen haben, und bei der Verkostung verschiedenster Sorten zusammen mit selbstgebackenem Tomatenbrot entdeckte jeder Teilnehmer bald seinen speziellen Liebling.
Aber woher kommt der Wunsch nach extremen Formen, wie entsteht die Vielfalt und wo kann man sie testen? Seit Jahren sammelt Nötel Tomatensamen insbesondere von historischen Sorten, also solchen, die nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten wie der Transportfestigkeit oder der effektiven Bewurzelung von Steinwolle gezüchtet wurden. Die Auslese der historischen Sorten erfolgte in Anpassung an unterschiedliche Klimazonen, an den Boden oder an interessante Farben und Formen. Es versteht sich von selbst, dass eine Zuchtform aus Sibirien in kürzerer Vegetationszeit reifen muss als die „Sizilianische Olive“ oder die „Peruanische Wildtomate“.
Die eine Sorte lockt mit ihrem süßsauren herzhaften Aroma direkt zum Naschen, die andere bringt mehr Masse und landet zur Ketchuperzeugung oder für Suppe im Topf, und wieder andere eignen sich hervorragend als Dekoration auf dem Teller.
Frieder Nötel zeigte und erklärte den Teilnehmern alles rund um den Tomatenanbau, sprach über Samengewinnung, Erhaltungsaussaat, Absatzmärkte und Nachfrage. „Das Interesse wächst von Jahr zu Jahr, seit wir dieses Sortenangebot einmal jährlich im Mai auf dem Langenhagener Wochenmarkt anbieten. Auch im kommenden Frühjahr 2013 werden wir dies wieder auf ehrenamtlicher Basis tun“, sagt Werner Kirschning von der Naturkundlichen Vereinigung und weiter, „für Frieder Nötel ist Umsatz die Grundlage seines Betriebes, und mit der Hilfe für ihn helfen wir uns als Verbraucher beim Erhalt von Sorten, die sonst schon vom Markt verschwunden wären. Und weil er regionale Anzuchterde von aha bewusst ohne Torfzusatz wählt, unterstützen wir ihn auch aus diesem Grunde, denn als Moorschützer wissen wir: Torf gehört ins Moor!“
Zum nächsten Veranstaltungstermin lädt die NVL am 12. September um 19.30 Uhr ein. Zum Thema „Naturheilkunde - Medizin der Zukunft?“ spricht Heilpraktiker Michael Babel. Er erläutert naturheilkundliche Verfahren der Chiropraktik, der Phytotherapie und der Homöopathie und gibt eine Einführung in das ganzheitliche Verständnis von Gesundheit und Krankheit. Gäste sind willkommen und anschließende Diskussion mit dem Referenten ist erwünscht. Der Vortrag findet im Wasserturm im Eichenpark, Stadtparkallee (Vereinsheim der NVL) statt.