Geistig fit und immer charmant

Vier Ortsbürgermeister und ein Gemeindedirektor aus Godshorn beim 99. Geburtstag (von links): Willi Minne, Detlef Euscher, Ute Biehlmann-Sprung und Rainer Godorr, davor Hermann Euscher, der bereits seit 36 Jahren seine Ruhestand genießt. (Foto: K. Raap)

Godshorner Hermann Euscher feierte seinen 99. Geburtstag

Godshorn (kr). Als sich Hermann Euscher nach der langen Gratulationstour seiner Gäste mit einem dreifachen fröhlichen „Dankeschön“ äußerte und mit einem Blick nach oben vermutete, „dort sicherlich einen guten Freund zu haben“, bewies er als 99-Jähriger seine geistige Frische . Denn dieser Geburtstag wurde am Nikolaustag im Godshorner Restaurant Frick gefeiert. Zu den Gratulanten zählten neben der Verwandtschaft auch Freunde aus verschiedensten Bereichen und gleich vier Ortsbürgermeister aus Godshorn, nämlich Rainer Godorr, Detlef Euscher, Will Minne und die aktuelle Bürgermeisterin Ute Biehlmann-Sprung. Sie bezeichnete Euscher als eine beeindruckende Persönlichkeit mit erfrischendem Charme, großer Schlagfertigkeit, erstaunlichem Erinnerungsvermögen und viel Humor. Gerne wäre er Sänger oder Schauspieler geworden hatte Hermann Euscher schon vor vielen Jahren immer wieder angemerkt, und wer ihn schon vor Jahrzehnten auf verschiedenen örtlichen Festivitäten „live“ erlebte, kann das bestens verstehen. Und so schenkte ihm sein Neffe Thomas Sixtus samt Familie zum Geburtstag einen musikalischen Auftritt des bekannten Shantychors „De Leineschippers ut Hannover“. Dass Hermann Euscher bestens gelaunt einige Stücke mitsang, verstand sich von selbst.
Hermann Euscher begann seine berufliche Laufbahn im westfälischen Herford. Als Leiter des Personalwesens bewarb er sich in Godshorn, als dort ein Gemeindedirektor gesucht wurde. Euscher bekam den Posten, was sich schnell zu einem Glücksfall für die neue Gemeinde entwickelte. Ab 1961 setzte er für den Bau eines Schwimmbades wichtige Akzente, er sorgte für eine wesentlich verbesserte Infrastruktur und forcierte dabei auch den Straßenbau im Ort. Als 1974 im Zuge der Gebietsreform Godshorn die Selbstständigkeit verlor und eingemeindet wurde, war Hermann Euschers Zeit als Gemeindedirektor beendet. Die Stadt Langenhagen ernannte ihn zum Dezernenten für Jugend, Soziales, Sport und Bäder, eine Position, die er bis zur seiner Pensionierung im Jahr 1983 innehatte. Vor zwei Jahren ehrte ihn der Regionspräsident Hauke Jagau in der Albert-Fichte-Begegnungsstätte für 70-jährige Mitgliedschaft in der SPD. Er initiierte vor mehr als  50 Jahren die Städtepartnerschaft Godshorns mit Le Trait in der Normandie und agierte auch jahrelang als Vorsitzender des damals neu gegründeten Freundschaftskomitees. Die Entscheidung für die französische Kleinstadt hatte auch etwas mit Euschers Kriegserlebnissen zu tun. Als junger Pilot war er unter anderem in Bordeaux stationiert, bevor er in amerikanische Gefangenschaft geriet. Die Städtepartnerschaft sah er immer als ein wichtiges Instrument der Wiedergutmachung und Versöhnung.