"Grüne Lunge muss intakt bleiben"

Meteorologe Jürg-Peter Moldenhauer steht vor der Grünfläche westlich der Theodor-Heuss-Straße, die bebaut werden soll. Foto: K.Raap

Meteorologe warnt eindringlich vor Stadtpark-Bebauung

Langenhagen (kr). "Mit der vom Büro Ackers und Partner im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts vorgeschlagenen intensiven Bebauung der grünen Randbereiche des Stadtparks an drei Seiten würde dieser regelrecht in die Zange genommen und den Charakter einer überdimensionalen Hinterhof-Grünfläche erhalten", das sagte Diplom-Meteorologe Jürg-Peter Moldenhauer in einem Gespräch mit dem Langenhagener ECHO. Sinnbildlich würde damit ein Flügel der grünen Lunge entfernt. Übrig bliebe ein erschreckend kleiner Raum für das restliche Grün des Stadtparks mit einer Abschottung durch die neue Bebauung von der bisher relativ offenen Umgebung. Negative Auswirkungen auf das lokale Klima seien unvermeidbar. Jürg-Peter Moldenauer kennt sich da aus, er war von 1987 bis 1996 Leiter des Dezernats Klimaschutz am Flughafen und übernahm dort anschließend für zehn Jahre die Verantwortung für das Wetteramt. Mit der Thematik der Bebauung hat er sich bereits seit Monaten intensiv beschäftigt und seine Bedenken unter anderem auch als Bürger in einer Sondersitzung des Stadtplanungs- und Umweltausschusses vorgebracht. Die von Moldenhauer angesprochenen drei Projekte beanspruchen insgesamt 9,9 Hektar - knapp 100 000 Quadratmeter - von Langenhagens grünem Zentrum mit Platz für 350 Wohnungseinheiten. 2,3 Hektar groß ist das Areal östlich der Walsroder Straße mit dem Eingang zur Stadtparkallee in der Mitte. Hier sind 80 Wohneinheiten, aber auch Dienstleistungsbetriebe vorgesehen. Wesentlich problematischer sind die beiden anderen Vorhaben. Nördlich des Verbindungswegs Lenthehof in Höhe der Peko-Sporthalle und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wohnanlage Schildhof soll das Grün einem 1,8 Hektar großem Baugebiet für 65 Geschosswohnungen mit drei bis fünf Stockwerken weichen. Den größten Brocken weist die Planung westlich der Theodor-Heuss-Straße aus. Die vorgesehene Fläche für insgesamt 205 Wohneinheiten mit drei bis vier Geschossen auf 5,8 Hektar reicht in seiner westlichen Ausdehnung von rund 300 Metern bis an den Fuß- und Radweg zwischen der SCL-Anlage und Niederrader Allee heran. Die Bebauung entlang der Theodor-Heuss-Straße mit der Verlängerung des Stadtparkwegs in der Mitte beträgt knapp 200 Meter. Würde auch noch das Schwimmbad an der Theodor-Heuss-Straße realisiert, wäre die westliche Seite praktisch zugeriegelt. Gebaut werden müssten natürlich in allen drei Bereichen auch diverse Straßen zur Verkehrserschließung in einem besonders sensiblen Bereich der Kernstadt. Dazu Moldenhauer: "Die Schadstoffe der Autos der Anlieger und Besucher und die Immissionen aus den Kaminen der Bebauung würden die grüne Lunge negativ beeinflussen."
Nicht nachvollziehbar sei für ihn, dass das im Jahr 2009 für die Stadt Langenhagen von der Firma Geonet unter Mitwirkung des international bekannten Fachmanns Professor Groß von der Uni Hannover erstellte Gutachten über die lokalen Klimaverhältnisse vom Büro Dr. Ackers entweder nicht gelesen oder dessen wichtige Ergebnisse ignoriert wurden. Wörtlich zitiert Jürg-Peter Moldenhauer aus dem Geonet-Gutachten: "Als bedeutsame Grünfläche mit hoher Kaltluftbildung ist der Stadtpark hervorzuheben. Das bedeutet: Bauliche und zur Versiegelung beitragende Nutzungen dieser Flächen können zu erheblichen Verschlechterungen des lokalen Klimas führen." Diese Aussagen würden auch für die fraglichen Randbereiche, also auch für die Rieselfelder und den Bereich nördlich des Lenthehofs gelten. "Ich hoffe", so betont der Meteorologe, "dass der Rat der Bebaung in der grünen Lunge nicht zustimmt, sondern die geplanten Flächen unter besonderen Schutz stellt. Andernfalls würde die Kernstadt deutlich an Lebensqualität verlieren." Gegenüber dem ECHO betonte Moldenhauer ausdrücklich, dass er das breit gefächerte integrierte Stadtentwicklungskonzept als fachlich fundierte Grundlage für künftige kommunalpolitische Diskussionen und Entscheidungen grundsätzlich begrüße, "allerdings sollte das grüne Zentrum Langenhagens von den geplantent Baumaßnahmen verschont werden. Sinnvoller sei es, mit Aufforstungen in den Randbereichen die Attraktivität der grünen Lunge noch weiter zu verbessern."