Hafner teilt gezielt aus

Christdemokrat legt Parteivorsitzenden Rücktritt nahe

Langenhagen (ok). Ist es nur der Rundumschlag eines Enttäuschten oder hat die CDU Langenhagen massive strukturelle Probleme? Andreas Hafner hat per E-Mail gezielt ausgeteilt, sieht, dass die CDU selbst schuld an dem schlechten Wahlabschneiden sei. In der Hauptsache macht er den desaströsen Wahlkampf ohne Teamgedanken, die falschen Kandidaten, die nur auf Posten aus seien, dagegen aber Engagement und Herzblut vermissen ließen, und das „Übel Langenhagens“ aus dem Westen mit der Diskussion um den Erhalt des Godshorner Bades für den Stimmenverlust von mehr als sechs Prozent verantwortlich. Besonders den Stadtverbandsvorsitzenden Ulrich Müller und den Chef des Langenhagener Ortsverbandes, Marco Zacharias, greift ein offensichtlich frustrierter Andreas Hafner, der allerdings bis nach dem Wahlsonntag mit seiner harschen Kritik gewartet hat, an. Er macht beide für das miese Abschneiden der Christdemokraten verantwortlich und empfiehlt ihnen dringend, ihren Hut zu nehmen. Die CDU sei am Vorsitzenden und dessen fehlendem Engagement gescheitert, keinesfalls sei der Stimmenverlust mit dem Bundestrend zu entschuldigen. Schließlich habe die CDU in anderen Teilen Niedersachsens deutlich besser abgeschnitten. Müller, der nicht wieder in den Rat der Stadt Langenhagen einzieht, will das "Thema Hafner" sowohl in der nächsten Vorstandssitzung des Stadtverbandes zur Sprache bringen als auch mit dem Kritiker selbst das Gespräch suchen. Gleichwohl bleibt er bei seiner Meinung, dass die Hauptursache für das Wahlergebnis in Berlin und nicht in Langenhagen zu suchen sei. „Es gibt vielfältige Gründe und die Kritik entbehrt teilweise jeder Grundlage. Die Analyse ist lange nicht so einfach, wie es sich Herr Hafner vorstellt“, schreibt Ulrich Müller, der sich auf der nächsten Mitgliederversammlung stellen will, seinem Parteikollegen ins Stammbuch.
Weitgehend verschont von der Generalabrechnung Hafners blieb der Fraktionschef Mirko Heuer; die Äußerungen Hafners ließ der Chef der Christdemokraten im Rat der Stadt aber so nicht stehen, fand deutliche Worte: „Solch eine haltlose Diffamierung ist eine Frechheit und darf sicher nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Vielmehr gehört sie in den Kreis der Betroffenen.“
Hafner dagegen legt in einer weiteren Mail noch nach, spricht von „Parteigeklüngel“ und sich für einen Supervisor oder Mediator aus, der die CDU-Probleme der vergangenen fünf bis sechs Jahre aufarbeitet. Vom Teamgedanken könne wahrlich keine Rede sein, vielmehr gehe es um „unausgesprochene Dinge, Vorhaltungen, Verleumdungen, gegenseitiges Misstrauen und Missgunst“.