Heiße Erde unter dem Flughafen

Bei der Übergabe des Zuwendungsbescheids: Carsten Skwirblies (von links), Raoul Hille und Stefan Birkner. (Foto: G. Gosewisch)

Birkner übergibt Förderbescheid für Tiefengeothermie

Langenhagen (gg). Die Erkundung eines so genannten geologischen Hotspots mit Zentrum im Raum Celle kann zu erheblichen Veränderungen in der Energieversorgung des Flughafencampus führen. Das ist das Ergebnis einer im Jahr 2010 von der Flughafen GmbH in Auftrag gegebenen Vorstudie zur Tiefengeothermie. Diese stützt sich auf Forschungsergebnisse aus zahlreichen Tiefenbohrung-Projekten in Niedersachsen. Daraus leitet sich die Prognose ab, dass in 4.800 Meter Tiefe unter dem Flughafen Hannover Temperaturen von 180 Grad Celsius vorzufinden sein sollen – Energie, die zu Nahwärme und Strom gewandelt, in Zukunft den gesamten Flughafencampus autark versorgen könnte, so der engagierte Plan aus einer Vorstudie.
„Es lohnt sich, hier weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Bislang wird in Norddeutschland die Tiefengeothermie noch nicht genutzt, sie könnte aber in Zukunft eine deutlich größere Rolle bei der Wärme- und Stromgewinnung spielen“, so Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Stefan Birkner bei der Übergabe eines Förderbescheids des Niedersächsischen Umweltministeriums in Höhe von 250.000 Euro für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie an Flughafengeschäftsführer Raoul Hille. „Wir wollen Chancen und Möglichkeiten der Nutzung der Tiefengeothermie in Niedersachsen weiter ermitteln und ausbauen. Ich bin sehr gespannt, welche geothermischen Potenziale sich aus der Studie für den Flughafen Hannover ergeben. Im besten Fall kann mithilfe von Erdwärme der Wärme- und Kältebedarf und sogar ein Großteil des Strombedarfs des Flughafens gedeckt werden“, unterstreicht Birkner. Insgesamt stehen eine Million Euro aus Landesmitteln zur Förderung von Machbarkeitsstudien für Tiefengeothermie-Projekte zur Verfügung. Das Projekt am Flughafen ist das erste im Rahmen dieser Förderung. „Niedersachsen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Wissenszentrum im Bereich der Geothermie entwickelt“, ist sich Birkner sicher und verweist auf das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ein Zentrum für Tiefengeothermie mit Sitz in Celle und den Forschungsverbund Geothermie und Hochleistungsbohrtechnik, bei dem die Universitäten Clausthal, Braunschweig, Hannover und Göttingen sowie das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe beteiligt sind.
Mit der geothermischen Tiefenbohrung am Flughafen geht es aber noch lange nicht los, denn auf dem Weg ist nun zunächst nur die Machbarkeitsstudie, deren Erstellung vom beauftragten Ingenieur-Büro Kirchner aus Stadthagen in Zusammenarbeit mit den Geodiensten Nord gut drei Jahre dauern wird. „Daraus müssen Ergebnisse vorliegen, bevor wir eine Umsetzung, dann in Kooperation mit Investitionspartnern, planen können“, so die Auskunft von Hille zum Ablauf. Dennoch habe man eine klare Vorstellung von der Größenordnung der Kosten bei einer möglichen Umsetzung: „Die müssten im Bereich von 20 Millionen Euro liegen.“ Als „einen entscheidend großen Standortvorteil“ nennt Carsten Skwirblies, Abteilungsleiter Versorgungsdienste der Flughafen GmbH, das bereits vorhandenen Nahwärmenetz im Campus. „Der Wärmebedarf des Airport pro Jahr liegt bei ca. 50.000 Megawattstunden, der Kältebedarf bei ca. 7.000 thermischen Megawattstunden und der Stromverbrauch bei etwa 48 Millionen Giga Watt Stunden pro Jahr“, so seine Auskunft zur aktuellen Situation.