"Herr Godshorn" war immer fair und sachlich

Regionspräsident Hauke Jagau (links) nahm die hohe Auszeichnung vor. Mit dem Geehrten Reiner Godorr (Dritter von links) freuen sich seine langjährigen Weggefährten und Freunde Detlef Euscher (Zweiter von links), Uwe Eikemeier (Zweiter von rechts) und Willi Minne (rechts).Foto: O. Krebs

Hauke Jagau händigt Reiner Godorr Bundesverdienstkreuz aus

Godshorn (ok). Der Bergmann Franz Brandl war der erste Träger des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, verliehen durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss am 19. September 1951. Fast auf den Tag genau 60 Jahre später kann sich ein Ur-Godshorner diese hohe Auszeichnung ans Revers heften: Der Architekt im Ruhestand Reiner Godorr (72) bekam von Bundespräsident Christian Wulff diese hohe Auszeichnung verliehen, die Aushändigung übernahm im Ratssaal Regionspräsident Hauke Jagau. Godshorn ist Godorrs Dorf, und hier hat er sich besonders engagiert, in vielfältiger Weise zur Entwicklung der "Perle Langenhagens" – diesen Begriff hat er übrigens selbst beim Schützenausmarsch in Langenhagen geprägt – beigetragen. Neben der Gestaltung des Ortszentrums – Godorr hat den Festplatz durch einen Grundstückstausch erweitert und in die erste Reihe gerückt – ist die Errichtung des Jugendhauses am Le-Trait-Platz sicherlich sein größtes soziales Projekt. Reiner Godorr hat das ehemalige Hofgebäude auf seinem Grundstück auf eigene Kosten vollständig umgebaut und saniert. Im Erdgeschoss ist der Jugendtreff untergebracht, oben Hortplätze für die Gemeinde. Für Godorr und seine Frau Dorle, die sich stark in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren, ist damit ein Lebensziel erreicht worden, und er bedauert, dass der Jugendtreff wegen der aktuellen Sparmaßnahmen so wenig genutzt werde. "Die Jugendlichen müssen von der Straße geholt werden", sagte Reiner Godorr mit Nachdruck in seiner Rede. "Konstruktiv, fair, zielorientiert und immer sachlich", so charakterisieren Weggefährten und auch politische Gegner den früheren Ortsbürgermeister, der sich fast 20 Jahre lang mit Detlef Euscher in diesem Amt abgelöst hat. Euscher ging in seiner Rede noch einmal auf einige Ereignisse ein, die den Pragmatismus Reiner Godorrs verdeutlichen. Er habe oft einfach angepackt und so der Verwaltung geholfen, eine Menge Geld zu sparen. So habe "Herr Godshorn" – wie er oft scherzhaft genannt wurde – während der Schneekastastrophe im Jahre 1978/79 die Hauptstraße einfach selbst mit dem Trecker freigeschoben und daran so viel Gefallen gefunden, dass er es in den Jahren darauf immer wiederholt habe. Ein altes Gebäude auf dem Le-Trait-Platz habe er zusammen mit dem Ortsrat selbst kurzerhand an einem Sonnabend abgerissen. Kosten: 5.000 Mark statt der veranschlagten 45.000 Mark der Stadt. Kostenlos habe der Erfinder des Maibockschießens Planung und Bauleitung für den Neubau des Schützenhauses übernommen, selbst noch tatkräftig mit angepackt. Und auch der Golfplatz in Hainhaus ist unter der Regie des heutigen Ehrenpräsidenten des Golfclubs Langenhagen entstanden.
Immer wieder habe er es geschafft, über Parteigrenzen hinweg, zielführende Beschlüsse herbeizuführen und nach wie vor genieße er wegen seines großen Einsatzes für die örtliche Gemeinschaft hohes Ansehen. Nicht zuletzt wegen seiner Einstellung "Nich lang schnacken, sonnern topacken", die er zehn Jahre lang auch als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Godshorner Kaufleute umsetzte. Trotz der zupackenden Art habe er immer versucht, Kompromisse zu finden und einstimmige Beschlüsse zum Wohle der Ortschaft zu fassen. Und deshalb waren sich alle Redner einig: Reiner Godorr ist ein würdiger Träger des Verdienstkreuzes. Und damit er weiß, wie er es an der Anzugjacke zu befestigen hat, gab's von Regionspräsident Hauke Jagau noch eine Gebrauchsanweisung obendrauf. Denn selbst das sei bei uns in Deutschland geregelt, so Jagau. Deutsche Bürokratie, der Reiner Godorr übrigens nie besonders viel abgewinnen konnte.