Hoffnung auf neue Anflugvariante

Kein Handlungsbedarf für Luftaufsicht

Die „Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigungen durch Luftfahrzeuge für den Flughafen Hannover-Langenhagen“, so der offizielle Name, hat die Aufgabe, Möglichkeiten zur Minderung der Lärmbelastung für die Anwohner und Anwohnerinnen des Flughafens als Empfehlungen an die Luftaufsicht (Wirtschaftsministerium) und die Flugsicherung zu geben. Schwerpunkt der Diskussion im Rahmen der jüngsten Sitzung war die Neufassung der Entgeltordnung für den Flughafen. Seit dem 1. Januar 2014 wird stärker emissions- und lärmabhängig differenziert. Kern der Änderung ist die Einführung eines ganztägigen Lärmzuschlags pro Bewegung basierend auf tatsächlich gemessenem Lärm. Grundsätzlich wird das Entgeltniveau für Flüge in den Nachtzeiten künftig teurer, beispielsweise für ein in Hannover typisches Touristik-Flugzeug um 60 bis 80 Euro.
Sowohl das Wirtschaftsministerium als auch die Flughafen GmbH machten deutlich, dass sich die Steuerungswirkungen der Entgeltordnung nur auf den Einsatz emissionsärmerer Flugzeuge beziehen. Die Gebührenordnung soll kein Instrument sein, um die geltende unbeschränkte Genehmigung auszuhebeln. Von Seiten der Gemeinde- und Anwohnervertreter war hier eine steuernde Wirkung zur Verlagerung von Nachtflügen in den Tag gewünscht worden. Seitens der Kommission wurde gewünscht, künftig im Vorfeld einer Neufassung der Entgelte informiert zu werden.
Ein weiterer Beratungspunkt war eine vorgesehene, in erster Linie organisatorische Änderung des Anflugverfahrens bei einem hohen Verkehrsaufkommen.
Die Flugsicherung stellte ein neues Anflugverfahren vor, das heute bereits in Dublin und Oslo praktiziert wird. Bei "Point Merge" werden Anflüge in relativ großer Höhe kanalisiert und mit dem nötigen Sicherheitsabstand kontinuierlich sinkend zum Endanflug geführt. Point Merge bedeutet, dass an einem definierten Punkt die Flugwege der anfliegenden Flugzeuge hintereinander aufgereiht zusammenfließen, ähnlich dem Reißverschlussverfahren im Straßenverkehr. Durch die größere Höhe der Flugzeuge beim Point Merge Verfahren wird eine Reduzierung der Lärmbelastung am Boden erwartet, allerdings nicht im Nahbereich des Flughafens. Im Januar liefen bei der Flugsicherung Simulationen diese Anflugvariante.
Das nur bei hoher Verkehrslast sinnvolle Verfahren würde das heutige in geringeren Höhen praktizierte Hochlastverfahren ablösen. Wegen der eher mittleren Verkehrslasten in Hannover kommen Hochlastverfahren nur bei besonderen Verkehrssituationen (Messe) zur Anwendung.
Die Fluglärmkommission stimmte mehrheitlich dem Beginn eines Probebetriebes ab Dezember zu. Sollte der Probebetrieb erfolgreich sein, blieben die Point-Merge Verfahren in Betrieb und die bisherigen Verfahren würden zurückgezogen.
Schließlich befasste sich das Gremium mit der Auswertung der Fluglärmmesswerte für die sechs verkehrsreichsten Monate des Jahres 2013 (Mai bis Oktober). Die Auswertung zeigt sowohl für das Dauerschallkriterium als auch für das Maximalkriterium keine Auffälligkeiten und damit für die Luftaufsicht keinen Handlungsbedarf. Wegen der Reparaturarbeiten an der Nordbahn hat es jedoch in einzelnen Monaten eine sehr hohe Belastung im Bereich der Südbahn gegeben, die aber noch keinen Handlungsbedarf des Ministeriums auslösten.