Hornissen dürfen bleiben

Werner Kirschning und Marlis Busche wollen sich für das Überleben der Hornissen-Königinnen einsetzen und lassen das Nest unter dem Schuppendach noch einige Wochen hängen. (Foto: G. Gosewisch)

Beratung brachte Wende von Angst zu Anerkennung

Engelbostel (gg). „Es ist ein Kunstwerk, einfach schön anzusehen“, sagt Marlis Busche beim Begutachten eines Hornissennestes, das in den vergangenen Monaten im Schuppen neben der Haustür zu beachtlicher Größe gewachsen ist – gut einen halben Meter hoch und breit. Dass sie es nun zu würdigen weiß, sei neu. Bis vor wenigen Tagen habe sie den gesamten Schuppenbereich aus Angst gemieden. Die Wende sei der Verdienst von Werner Kirschning, Hornissen-Berater in der Region Hannover. Er kam auf Anfrage hinzu, erklärte die Biologie der Hornissen und zerstreute Ängste vor Angriffen oder Stichen, indem er sich neben das Nest stellte. „So dicht habe ich mich nie herangetraut. Ich dachte immer, Hornissen bedeuten Lebensgefahr“, sagt Marlis Busche. Werner Kirschning erklärt: „Nur Hektik oder heftige Abwehrbewegungen könnten von den Tieren als Angriff missverstanden werden.“ Vor allem in Nähe des Nestes würde damit die Verteidigungsbereitschaft geweckt werden. Ausgesprochen friedlich geht es im Schuppen von Marlis Busche zu. Emsig fliegen Hornissen ein und aus. Es brummt deutlich, aber nicht aufdringlich. „Sie sind tatsächlich in Eile“, erklärt Werner Kirschning, „denn sie müssen Futter für den Nachwuchs besorgen. Und das sind Fliegen, Wespen und andere Insekten in einer täglichen Menge, die einem Paket Butter entspricht. Die Maden im Nest wackeln mit dem Kopf immer hin und her, um zu zeigen, wer den größten Hunger hat, das gibt an festen Zellwänden ein typisches Geräusch – das sogenannte Hungerkratzen.“ Marlies Busche bestätigt: „Mir fiel auf, dass deutlich weniger Wespen um das Haus schwirren, seit die Hornissen da sind, aber diesen Zusammenhang, wusste ich nicht.“ Dass die Hornissen ihr Nest nur aus morschem Holz und Spucke zu papierdünnen Wänden zusammenbauen, fordere geradezu Respekt und Anerkennung für diese perfekte Bauleistung. „Die Hornissen dürfen bleiben“, sagt Marlis Busche mit Überzeugung. Mit dem Herbst endet ohnehin der Betrieb im Nest. Werner Kirschning erklärt: „Noch etwa drei Wochen, dann sind die jungen Königinnen geschlüpft und die Arbeiterinnen sterben dann entsprechend ihrer Biologie. Ein Nest wird von Hornissen kein zweites Mal benutzt. Im nächsten Jahr wird der Schuppen dann also sicherlich von Hornissen frei sein. Nur gut, wenn die jungen Königinnen eine Chance bekommen und das alte Nest so lange hängen bleibt, bis sie weg sind.“