„Ich habe das Gefühl, das ich richtig angekommen bin“

Annette Jendritzki ist die neue Leiterin von Ophelia.
 
Annette Jendritzki ist die neue Leiterin von Ophelia.

Annette Jendritzki hat die Leitung des Ophelia Beratungszentrums in Langenhagen übernommen

Langenhagen (lo). Viele Jahre hat Annette Jendritzki als Fachbereichsleiterin und stellvertretende Einrichtungsleitung in einem Kreativhaus sowie im Bereich der Beratung für häusliche Gewalt gearbeitet, jetzt hat sie zum 1. April diesen Jahres die Leitung des Ophelia Beratungszentrums für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung übernommen. „Ich habe schon während meines Studiums zur Diplompädagogin gemerkt, dass ich Beraten toll finde und auf der anderen Seite auch gut organisieren kann. Hier habe ich jetzt beides“, sagt die 42-Jährige.
Für sie sei beraten auch „eine Herzensangelegenheit“. Aus diesem Grund sei die Aufgabenteilung aus Beratung und Organisation ideal für sie. „Es gefällt mir total gut. Ich habe das Gefühl, das ich hier richtig angekommen bin“, betont die neue Leiterin. Und sie ergänzt: „Es ist genau das, was ich gesucht habe.“ Dabei fallen an manchen Tagen mehr Beratungen an, an anderen hingegen überwiegen die Tätigkeiten der Geschäftsführung.
Da Netzwerkarbeit sehr wichtig ist, nimmt Jendritzki im Moment an vielen runden Tischen teil. „Das nimmt schon eine enorme Zeit in Anspruch“, sagt sie selbst. Aber sie ist sich sicher: „Ich muss sich erst einmal einfinden und lerne so auch viele Leute kennen. Die Öffentlichkeitsarbeit ist aber auch sehr wichtig, um auf das Thema aufmerksam zu machen.“ Denn das Beratungszentrum berät Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrungen. Dazu zählen unter anderem körperliche, sexuelle und psychische Gewalt aber auch Bedrohungen im Internet und Stalking. „Oft wollen Menschen helfen, haben aber eine Hemmschwelle oder wissen nicht genau, wie sie helfen oder wen sie ansprechen können. Diese Angst wollen wir unbedingt nehmen“, betont Jendritzki.
Neben der Beratung von Selbstmelderinnen bietet Ophelia aber auch Beratungen für Angehörige an. „Aber auch Betreuerinnen, Schulen oder Ärzte können bei uns anrufen, um sich unterstützen oder beraten zu lassen“, sagt Corona Bröker, zuständig für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit bei Ophelia. Zudem ist Ophelia auch eine Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS). Dabei ist das Beratungszentrum zuständig für die Kontaktaufnahme und Erstinterventionen nach Polizeieinsätzen für die Kommissariate Langenhagen, Wedemark, Isernhagen und Burgwedel. „Wir haben ein großes Einzugsgebiet. Daher ist es wichtig, dass wir mit der Region und den Kommunen über eine verlässliche Finanzierung verhandeln, um uns auch breiter aufstellen zu können“, sagt Bröker.
Und das die Zusammenarbeit mit der Polizei gut funktioniert, konnte auch schon Jendritzki erfahren. „Mich hat letztens eine Polizistin angerufen und gefragt, ob wir der richtige Ansprechpartner sind und gefragt, was sie tun kann“, erzählt die 42-Jährige. Und weiter: „Das fand ich sehr nett. Da habe ich gemerkt, dass die Kooperation funktioniert. Genauso würden wir es auch machen, wenn wir rechtliche Fragen haben.“
Bisher gab es auch noch keine Wartezeiten bei der Beratung. „Das liegt vor allem an dem außerordentlichen Engagement des Teams“, versichert Jendritzki. Aber sie betont auch, dass mehr Stunden für die Arbeit benötigt werden. Denn im Norden der Region Hannover ist Ophelia die einzige Beratungsstelle für häusliche Gewalt. Wichtig ist es Jendritzki und ihrem Team, die Frauen zu stärken und ihnen die Beratung und Hilfe zu bieten, die sie benötigen. „Oft ist es eine emotionale Unterstützung aber auch die Vorstellung ihrer rechtlichen Möglichkeiten“, erläutert die Leiterin. Einen selbst können die Erlebnisse aber auch mitnehmen sagt Jendritzki. „Ich bin aber auch oft von der Stärke der Frauen beeindruckt und was sie alles schaffen“, betont sie. Daher ist es umso wichtiger, dass es genügend Mitarbeiter und Beratungsräume gibt.