"Ich habe immer daran geglaubt"

Ist vor einem Jahrhundert geboren: Hilda Gronski. (Foto: O.Krebs)

Hilda Gronski feiert am morgigen 18. April ihren 100. Geburtstag

Langenhagen (ok). Wer sieht, kann es sich nicht vorstellen. Aber in ihremn Personalausweis steht es schwarz auf weiß. Hilda Gronski, geborene Bartels, hat am 18. April 1921 das Licht der Welt erblickt. Und zwar in Harvesse bei Braunschweig im Landkreis Peine. Ihren leiblichen Vater lernte die rüstige Seniorin gar nicht kennen, er starb, als sie drei Monate alt war. Wohlbehütet wuchs sie zunächst bei ihrer Mutter und ihrem ersten Stiefvater auf, der allerdings auch recht früh verstarb. Ihre Mutter heiratete ein drittes Mal und so hat Hilda Gronski sowohl leibliche als auch Stiefgeschwister. Aufgewachsen ist sie in Uetze, wo sie auch ihren späteren Ehemann Wilhelm kennen lernte, klassischerweise beim Tanzen. Die Jubilarin lernte das Schneidern, Nähen und Flicken und war später auch in einem Haushalt tätig. Das Paar ließ sie trauen, bevor der gelernte Gas- und Wasserinstallateur in den Krieg ziehen musste. Zwischenzeitlich kehrte er zurück, weil er mit seinen Kenntnissen Flugzeuge reparieren musste, und das junge Paar bekam eine Wohnung in Wiesenau in der August-Bebel-Straße. Bald war es mit dem Familienglück aber wieder vorbei, Wilhelm wurde wieder eingezogen. Hilda Gronski stand mit zwei kleinen Kindern ganz allein da und erlitt 1945 einen schrecklichen Schicksalsschlag. Sie wurde ausgebombt, fand aber glücklicherweise Unterschlupf beim Lehrherrn ihres Mannes in Uetze. Wilhelm Gronski kam erst 1949 aus der Kriegsgefangenschaft in Russland zurück, und Hilda Gronski sagte im Gespräch mit dem ECHO: "Ich habe immer daran geglaubt." Ein Jahr später wurde der gemeinsame Sohn Hans-Jürgen geboren, der mit seiner Mutter unter einem Dach an der Hindenburgstraße lebt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau kümmert er sich liebevoll um seine Mutter, und das klappt hervorragend. "Bei uns gibt es nie Streit", sagen die beiden übereinstimmend. In dem Haus wohnen sie seit 1960, ein Lottogewinn der Mutter Hilda Gronskis hatte den Umzug aus einer Wohnung im Harzweg möglich gemacht. Zwischenzeitlich wohnten Wilhelm und Hilda Gronski mit ihrem Sohn - die beiden Töchter waren schon aus dem Haus - gegenüber an der Friedrich-Ebert-Schule, wo der Familienvater eine Stelle als Hausmeister angetreten hatte.In dieser Zeit hatte der damalige Rektor in dem Haus gelebt, denn der Hausmeister musste eine Dienstwohnung beziehen. Nach sechs Jahren wurde diese Regelung aber aufgehoben, und die Gronskis konnten zurück in ihr Haus, wo sie heute noch zu dritt leben. Die vergangenen 43 Jahre hat Hilda Gronski allein gemeistert, denn ihr Mann starb 1978 schon früh. Eine lange, über die sie auch sicher ihre vielen Hobbys hinweggeholfen haben. Neben der Handarbeit hat Hilda Gronski, die heute noch gern telefoniert, mit Leidenschaft Kreuzworträtsel gelöst und auch das ein oder andere Mal etwas gewonnen. Die gläubige Christin war 40 Jahre lang im Kirchenchor der St. Paulus-Gemeinde und auch beim Seniorentanz in der damaligen Tanzschule Dohrmann-Kroll.  Bis zum Alter von 70 Jahren hat sie regelmäßig Blut gespendet. Jedes Jahr ist sie in den Urlaub gefahren, mit 80 Jahren noch allein nach Kanada. Mit 90 Jahren führte ihr Weg sie noch mit dem Fahrrad zum Einkaufen ins CCL. Den Führerschein hat sie erst im Alter von 44 Jahren gemacht, und das Auto hat ihr nach dem Tod ihres Mannes viele Jahre lang ein Stück Unabhängigkeit gegeben. Für die Zukunft wünscht sich die bescheidene und genügsame Seniorin Gesundheit und noch viele schöne Stunden bei Sonnenschein auf ihrer Terrasse mit dem Blick in ihren geliebten Garten. Eine große Geburtstagsfeier wird es wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht geben, traditionell stand sonst aber Spargelessen im Dorfgemeinschaftshaus Krähenwinkel an ihrem Ehrentag auf dem Programm.